Flucht:Mitgenommen

pavlo und Miroslav

Miroslaw (links) und Pavlo (rechts) tragen ukrainische Fußballtrikots - eine Erinnerung an ihre Heimat.

(Foto: privat)

Wer flüchtet, muss viel zurücklassen. Hier erzählen Kinder und Jugendliche, was sie aus ihrer Heimat retten konnten. Diesmal Pavlo, 11, und Miroslav, 10, zwei Cousins aus Kiew in der Ukraine, seit sechs Monaten im oberbayerischen Siegertsbrunn.

Protokoll: Chiara Wackermann

"In Siegertsbrunn fühlen wir uns wohl. Vor allem, wenn wir Fußball spielen. Das tun wir hier genauso wie in Kiew in einem Verein. Und genau das ist das Tolle an Fußball - man kann es überall spielen, es macht überall Spaß. Aus der Ukraine haben wir auch unsere Fußballtrikots mitgebracht. Die sind für uns beide etwas ganz Besonderes: Miros Trikot ist von seiner alten Mannschaft in Kiew, da hatte er die Nummer 15. Das Trikot, das ich trage, ist das letzte EM-Trikot der ukrainischen Nationalmannschaft. Es hat die Nummer 4, die Nummer von meinem Lieblingsspieler Serhiy Kryvtsov. Der spielt als Innenverteidiger bei Shakhtar Donezk. Donezk hat diese Woche im Champions-League-Spiel mit 4 zu 1 gegen RB Leipzig gewonnen. Deswegen musste bei Leipzig sogar der Trainer gehen! Miros Lieblingsspieler ist Cristiano Ronaldo von Manchester United. Von dem haben wir aber gerade kein Trikot da. In den Ferien waren wir in einem Fußballcamp. Da sind wir alle zusammen auch einmal zu richtigen Profispielern gegangen und durften denen zuschauen. Auf unseren Camp-T-Shirts hat am Ende auch einer dieser Profi-Fußballspieler unterschrieben. Welcher, wissen wir leider nicht mehr genau. Aber es war schon eine coole Erfahrung. Wir sind vor über einem halben Jahr aus Kiew geflohen. Mit dem Auto. Ich habe drei Geschwister. Deswegen durfte auch mein Papa mit ausreisen. Die Regel in der Ukraine ist: Ab drei oder mehr Kindern darf der Vater mit ausreisen. Bei vielen anderen Familien müssen die Väter aber im Land bleiben. Eigentlich ist es schon das zweite Mal, dass wir fliehen. Unsere Familien haben damals im Donbass gelebt. Als 2014 dort die Kämpfe angefangen haben, sind wir nach Kiew geflohen. Da waren wir aber erst zwei Jahre alt, können uns also an gar nichts erinnern. In unserem Fußballverein hier spielen wir beide im Sturm. Und nicht wie Kryvtsov als Verteidiger. Ob wir irgendwann wieder für Kiew spielen können? Ob Miro dann noch sein rotes Trikot passen wird, das von seiner alten Mannschaft mit der Nummer 15?"

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