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Fertighäuser von Ikea:Funktional wie ein Billy-Regal

Vor dem Hintergrund der rasant sinkenden Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser aber ist auch das Geschäft der Fertighausanbieter deutlich schwerer geworden. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland weniger als 65.000 Baugenehmigungen erteilt; noch 2003 waren es deutlich mehr als doppelt so viele gewesen. Entsprechend haben alle Fertighausanbieter ihre Kapazitäten stark verringert, Personal abgebaut und Werke geschlossen. Mit der börsennotierten Kampa-Haus-Gruppe meldete 2009 der Marktführer Insolvenz an.

Ähnlichkeit mit einem Hasenstall

Dass nun mit Ikea ein neuer starker Wettbewerber auftritt, sieht die Branche als Gewinn. "Der hohe Bekanntheitsgrad und die Werbekraft von Ikea können Holzhäusern in Deutschland zum Durchbruch verhelfen", meint Achim Hannott vom Bundesverband Deutscher Fertigbau. Alle in Deutschland angebotenen Fertighäuser sind Holzhäuser; allerdings sind die Außenwände häufig verputzt; das Holz ist nicht mehr sichtbar.

So hält es auch Ikea. Statt des Holzkleides, in das die Skandinavier ihre Boklok-Häuser in anderen Ländern hüllen, werden die Domizile in Deutschland mit verputzten Außenwänden angeboten. Ansonsten würden nur kleine Änderungen an den Modellen vorgenommen, die im Norden schon tausendfach errichtet wurden, versichert Lars Wild-Nordlund von der Boklok-Zentrale in Schweden. Das "typisch skandinavische Design" bleibe erhalten. Die Häuser sind also streng funktional gestaltet und schmucklos - wie ein Billy-Regal, das meistverkaufte Möbelstück aus dem Ikea-Sortiment.

Manchem allerdings sind die Schweden-Immobilien entschieden zu schlicht. Schon bevor das erste Haus gebaut ist, regt sich Kritik - ausgerechnet in Hofheim, dem Sitz der Deutschlandzentrale von Ikea. Dort, zwischen Frankfurt und Wiesbaden, haben die Stadträte den geplanten Bau von knapp 20 Reihenhäusern vorerst verschoben. Sie hegen große ästhetische Bedenken: "Auf der Vorlage, die wir bekommen haben, waren ganz furchtbare Häuser zu sehen", sagt der örtliche CDU-Chef Frank Härder.

Er ist von Beruf Architekt, und ihn erinnerten die Pläne in schwarz-weiß "an Nachkriegsbaracken mit zwei Löchern in der Wand". Eines für die Türe und eines für das Fenster. Überhaupt das Dach: "Ich hatte mal einen Hasenstall, der hatte auch so ein Dach", amüsiert sich Härder.

Ehe Ikea die Häuser bauen darf, muss es den Stadtverordneten nun zunächst genauere Pläne vorlegen. Schließlich benötige der Konzern eine Ausnahmegenehmigung, weil er die vorgeschriebenen Dachneigungswinkel ignorieren will, so Härder. Der Kritiker wurde schon zu einer Besichtigung eingeladen. "Ich lass mich überraschen", sagt er. "Grundsätzlich glaube ich, dass Ikea in der Lage ist, was Kreatives zu machen."

Andere Kommunalpolitiker sind weniger wählerisch. Bien-Zenker berichtet über zahlreiche Anfragen von Bürgermeistern, die Grundstücke bereit stellen wollen. Branchenkennern zufolge handelt es sich dabei vor allem um schwer zu vermittelnde Flächen, weil beispielsweise die Verkehrsanbindung mangelhaft ist oder es sich um soziale Brennpunkte handelt.

© SZ vom 18.02.2010/bre
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