Faulenzen:"Blubbermodus für den Kopf"

Lesezeit: 3 min

Faulenzen: Stehen, fläzen, liegen: Faulenzen ist vor allem eine Frage der inneren Haltung.

Stehen, fläzen, liegen: Faulenzen ist vor allem eine Frage der inneren Haltung.

(Foto: Mathilde Rives)

Wie geht Nichtstun am besten? Acht Kinder über eine großartige Sache.

Protokolle: Katrin Freiburghaus

Pauline, 9

"Faulenzen bedeutet, auf keinen Fall die Spülmaschine auszuräumen. Fernsehen ist kein Faulenzen. Schlafen auch nicht, weil das Gehirn da total viel mit Träumen zu tun hat. Faulenzen macht nur Spaß, wenn man dabei nicht an Sachen denken muss, die noch zu tun sind. Sonst ist es kein Entspannen, sondern Stress im Kopf. Das sieht nur von außen aus wie Chillen. Erlaubt sind Comics, denn gar nichts zu machen geht auch nicht. Damit es zählt, muss auch der Kopf faulenzen können."

Jana, 5

"Ich faulenze gern im Urlaub. Und im Bett. Faulenzen ist nicht wichtig, aber gut. Und Leuten, die noch nie gefaulenzt haben, fehlt das. Die sind dann müde. Aber wenn man faulenzen muss, ist das auch doof. Wenn ich zum Beispiel krank bin, ist es blöd, weil ich lieber mit meinen Freundinnen im Kindergarten spielen würde. Aber wenn einem danach ist, dann ist es toll. Nur manchmal ist es schwer, wieder damit aufzuhören. Weil Faulenzen halt auch ein bisschen faul macht."

Leonas, 7

"Faulenzen ist sozusagen das Gegenteil von Schule. Wenn ich grade Hausaufgaben machen soll, habe ich meistens besonders große Lust, faul zu sein. Das ist ein bisschen ungünstig. Hinlegen ist für mich eher kein Faulenzen. Ich spiele lieber. Es ist okay, wenn Eltern auch mal faulenzen, aber eigentlich machen die das fast nie. Die machen irgendwie den ganzen Tag was auf der Arbeit oder zu Hause. Und wenn nicht, fahren sie mich und meine Brüder zum Eishockey."

Emely, 11

"Faulenzen ist einfach irgendwo Rumliegen. Auf der Couch, auf dem Bett, auf dem Teppich. Ganz egal, Hauptsache einfach nichts tun, entspannen. Lesen ist schon zu viel. Faulenzen ist etwas anders als Faulsein. Wenn man zum Beispiel seine Vokabeln nicht lernt, ist man faul und das ist nicht cool, weil man dann 'ne schlechte Note kriegt. Faulenzen geht am besten, wenn man nichts machen muss. Aber dann ist es richtig wichtig, um sich zu erholen."

Marie, 8

"Immer Faulenzen geht nicht, aber einen Tag zum Ausruhen sollte man in der Woche schon haben. Manchmal verstehen Eltern nicht, wenn sich Kinder entspannen wollen. Weil sie denken, dass wir immer Action wollen - aber das stimmt gar nicht. Wenn wir als Familie faulenzen, schauen wir alle gemeinsam einen Film. Aber Mama und Papa schlafen meistens ein."

Jonah, 9

"Es gibt gute und schlechte Momente zum Faulenzen. Wenn ich draußen mit Freunden tobe und plötzlich faulenzen würde, wäre das ganze Spiel kaputt. Eine ganze Woche lang macht es auch keinen Spaß, irgendwann muss auch wieder was passieren. Spaß macht daran, dass man an nichts denken muss, sondern an etwas denken kann, was einen selbst interessiert. Ich male dabei meistens. Aber auch auf dem Sofa liegen, einen Film schauen und dabei Süßigkeiten essen ist Faulsein.

Carlotta, 8

"Menschen sind unterschiedlich faul. Mein Papa schaut am liebsten auf sein Handy, meine Mama liest Bücher oder malt sich die Fingernägel bunt an. Und mein Cousin schläft bis mittags. Man kann auch nicht immer faulenzen. Ich zum Beispiel muss dazu in Stimmung sein. Die kommt bei mir am besten bei Oma und Opa auf. Was richtig nervig ist: Wenn ich mich gerade auf die Couch gelegt und es mir richtig gemütlich gemacht habe - und mir dann einfällt, dass ich was vergessen habe, was ich noch machen muss. So was sollte man unbedingt vermeiden."

Henri, 8

"Ich nenne faulenzen fläzen. Ich fläze gern nach der Schule oder am Wochenende. Entweder baue ich dazu Lego und höre ein Hörbuch, zum Beispiel die Olchis oder Pumuckl. Oder ich baue eine Kuschelhöhle im Bett oder auf dem Sofa. Dafür braucht es ganz viele Kissen, Decken, Polster und Wärmeflaschen. Es muss wie ein Zelt sein oder eine Höhle oder ein Kobel von einem Eichhörnchen. Supergemütlich, weich, warm. Dort höre ich dann auch Hörbücher und schalte den Kopf auf Blubbermodus."

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