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Fashion Week in Berlin:Neues aus der Kleiderkiste

"Berlin hat Mode im Blut": Mode-Päpste, Rosé-Champagner und überall Jenny Elvers-Elbertzhagen - ein Rückblick auf die Berliner Fashion Week.

Sucht man für eine Geschichte über die eben zu Ende gegangene Berliner Fashion Week nach Protagonisten, drängen sich zwei Damen auf: Suzy Menkes und Jenny Elvers-Elbertzhagen.

Jenny Elvers auf der Fashion Week in Berlin, dpa

Jenny Elvers-Elbertzhagen war auf der Berliner Fashion Week allgegenwärtig. Hier mit der Schauspielerin Sophie Schütt (links).

(Foto: Foto: dpa)

Die eine, Mode-Päpstin aus Großbritannien, gefürchtete Kritikerin des International Herald Tribune, deren bloße Anwesenheit schon jeden Designer adelt. Die andere, Moderatorin, Akteurin, Schmuckdesignerin - Prototyp des Erste-Reihe-VIPs in Berlin. Eine von beiden war auf jeder Schau und jeder After-Party dabei.

Mittwoch, 21.30 Uhr, erster Tag: Escada-Chef Bruno-Sälzer kann aufatmen. Die Pelzgegner, die eben noch das Bodemuseum stürmen wollten, sind abgezogen. Vor dem Eingang zur Pink-Party drängen sich Frauen in pinkfarbenen Sommerkleidchen und Männer mit pinkfarbenen Socken.

"Berlin hat Mode im Blut"

"Oh, you look all so glamouros", ruft Suzy Menkes. In diesem Jahr beehrt sie die Fashion Week zum ersten Mal. Ihr Urteil: "Berlin hat Mode im Blut!" Sagts und eilt auf ihren Espadrilles im Goldmantel, mit silbernem Täschchen und wippender Tolle weiter zum nächsten Termin.

Auch für Escada ist es der erste Auftritt in Berlin. Bei Häppchen und Rosé-Champagner dürfen Gäste wie Minu Barati-Fischer oder Nadja Auermann Meisterwerke aus 30 Jahren Escada bewundern. Ein paar Stücke aus der aktuellen Kollektion sind, auch wenn alles sehr an die 80er erinnert, angeblich auch darunter - die Pink Party soll ja kein Abschied, sondern ein Neuanfang fürs angeschlagene Modehaus sein.

Inspiration für Modeschmuck

Donnerstag, 15 Uhr: Die "Media-Alert"-Email hat mal wieder Frau Elvers-Elbertzhagen im weißen Modezelt auf dem Bebelplatz als VIP angekündigt. Neben Wladimir Klitschko sitzt sie in der ersten Reihe. Von dem jungen Berliner Label Mongrels in Common erhofft sie sich Inspirationen für ihre Modeschmuck-Kollektion.

"Man glaubt es kaum, aber die Fashion Week ist harte Arbeit. Allein das ständige Umziehen!" Gleich mit drei Koffern ist die 37-Jährige angereist. Denn mit 33 Schauen bekommen geladene Gäste bei der fünften Fashion Week so viel Mode zu sehen, wie noch nie.

Donnerstag, 16 Uhr: Riesenandrang vor dem weißen Zelt. Das Label Lala Berlin hat zu viele Einladungen verschickt. Viele Gäste müssen draußen bleiben. Suzy Menkes bekommt von alledem nichts mit. Sie eilt nach der Schau in den Backstagebereich. Leyla Piedayesh hat mit ihren zarten, Gold verzierten Seidenkleidern wieder einmal gezeigt, dass Berlin mehr kann, als nur Streetwear.

Donnerstag, 17 Uhr: "Wat is'n dette für'n Auflauf?" Ein Berliner Passant starrt ungläubig auf die Menschen, die sich vor der verglasten Eck-Boutique am Gendarmenmarkt mit den riesigen Eintrittskarten Luft zufächern. Wolfgang Joop hat zur Präsentation des Making offs seiner aktuellen Wunderkind-Kollektion geladen.

Keine "forcierte Aktion" mehr - und doch fehlt das Visionäre

Noch vor zwei Jahren hatte Joop die Fashion Week als "forcierte Aktion" belächelt mit der er das Image seiner Marke nicht aufs Spiel setzen wollte. Jetzt ist er zum ersten Mal dabei. Seine neuen Kollektionen will er allerdings weiter in Paris zeigen: "In Berlin gibt es für mich keine echte Konkurrenz. Ich vermisse hier das Visionäre."

Donnerstag, 22.15 Uhr: In einer Fabrikhalle in Treptow präsentiert Hugo Boss die jüngste Linie des Hauses: Boss Orange. Vor Gästen wie Sienna Miller und Adrian Brody schickt der neue Boss-Designer Eyan Allen seine Models in zarten Baby-Tönen, zerfetzten Jeans, Paillettenhosen und Jeans-Overalls (auch für den Mann) über den Laufsteg. Backstage ist alles peinlich genau geplant: Model Carlos muss bei seiner Strickjacke den dritten Knopf von unten zuknöpfen.

Obdachlose als Models

Freitag, 22.30 Uhr: Überhaupt, die Models. Der Berliner Designer Michael Michalsky hat sich der Nachwuchsförderung verschrieben. Bei seiner Schau im Friedrichstadtpalast läuft die erst 14-jährige Nastasia Köchy - das Nachwuchsmodel aus Leipzig. Trotzdem sagt er, nachdem er Hand in Hand mit Jenny Elvers-Elbertzhagen für die Fotografen posiert hat: "Meine männlichen Models sind alle aus Deutschland, aber bei den Frau mussten wir zusätzlich im Ausland casten."

Andere Designer machen es sich einfacher: Patrick Mohr lässt seine neue Kollektion - eine Mischung aus Lumpensammlung und Avantgarde - von Obdachlosen präsentieren, Eastpak schickt jugendliche Straftäter auf den Laufsteg und Anja Gockel lässt ihre Roben von den Topmodel-Finalistinnen vorführen.

Samstag, 14 Uhr, letzter Tag: Auf imposante, visionäre Modekreationen haben die Fotografen vergeblich gewartet. Dafür gibt's zum Abschluss bei Kaviar Gauche nochmal Promi-Alert. Endlich: Boris und Lilly sind da.

Streetwear in Berlin

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