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Familientrio:Streit um den Babysitter

Eine Mutter würde gerne die nette Babysitterin der Nachbarn engagieren. Die rücken aber die Nummer nicht raus. Was tun?

Wie die meisten Eltern suchen wir immer wieder nach guten Babysittern. Nun ist mir letztens im Flur eine nette junge Frau begegnet, die auf die Kinder unserer Nachbarn aufpasst. Als ich die Nachbarn um den Kontakt bat, wollten sie ihn mir nicht geben, damit ihre Babysitterin nicht zu viele Aufträge bekommt und dann keine Zeit mehr für sie hat. Ich finde, sie kann das selbst entscheiden, oder? Veronika S. aus Berlin

Kirsten Fuchs ist Schriftstellerin und lebt mit Tochter, Mann und Hund in Berlin. Sie schreibt vor allem Kurzgeschichten und Romane, aber auch Theaterstücke sowie Kinder- und Jugendbücher. Ihr Buch "Mädchenmeute" erhielt 2016 den Deutschen Jugendliteraturpreis.

(Foto: Stefanie Fiebrig)

Kirsten Fuchs:

Die Reaktion Ihrer Nachbarn erscheint erst mal nicht nachvollziehbar, aber wer weiß, was dahintersteckt. Wenn die Babysitterin günstig ist, könnte sie bei lukrativeren Angeboten teurer werden oder ganz absagen. Sicherlich sind ihre Nachbarn auch froh, eine tolle Babysitterin gefunden zu haben. Es könnte sein, dass sie sehr lange danach gesucht haben, und sie auf keinen Fall diese gut funktionierende Betreuung für ihre Kinder verlieren möchten. Fragen Sie doch noch mal nach. Dann könnten Sie gemeinsam eventuell eine Lösung finden (eine Preisabsprache? Oder die Zusicherung, die Babysitterin nicht "wegzunehmen"?). Oder Sie warten einfach, bis Sie die Babysitterin noch einmal treffen und fragen sie selbst, ob sie auch bei Ihnen arbeiten will, denn natürlich darf die das eigentlich selbst entscheiden. Wenn Ihnen das wichtiger ist als der Frieden mit den Nachbarn, ginge das auch. Aber es wird auch sicherlich andere tolle Babysitter geben.

Herbert Renz-Polster ist Kinderarzt, Wissenschaftler und Autor von Erziehungsratgebern und des Blogs "Kinder verstehen". Er hat vier erwachsene Kinder und lebt mit Frau und jüngstem Kind in Ravensburg.

Herbert Renz-Polster:

Puuh, da sind (berechtigte) Interessen im Spiel, da sind Ängste im Spiel (die sind sowieso berechtigt), da sind vielleicht auch angespannte Beziehungen zwischen Nachbarn im Spiel ... Also viel Glück bei einer Lösung. Und noch etwas weiteres steht vielleicht im Raum: Warum meint die Nachbarin, sich nicht auf die Loyalität der Babysitterin verlassen zu können? Vielleicht ist das Arbeitsverhältnis dort ja nicht ganz so rosig? Denn dann hätte sie vielleicht auch die Perspektive der Babysitterin im Blick, vielleicht ist diese an weiteren Kunden interessiert - gerade in der gleichen Wohngegend? Vielleicht führt ein Kompromiss weiter. Sie signalisieren Ihren Nachbarn liebevoll, dass Sie mit deren diktatorischer Ansage wenig anfangen können - warum sollen Sie den Kontakt dann nicht auf eigene Faust herstellen können oder dürfen? Aber Sie versprechen ihnen, dass sie bei Terminkonflikten Vorrang bekommen?

Collien Ulmen-Fernandez

Collien Ulmen-Fernandes ist Schauspielerin und Moderatorin. Die Mutter einer Tochter hat mehrere Texte zum Thema Elternsein veröffentlicht, 2014 erschien von ihr das Buch "Ich bin dann mal Mama".

(Foto: Anatol Kotte)

Collien Ulmen-Fernandes:

Ich empfehle Ihnen, sich im Flur auf die Lauer zu legen und die Babysitterin abzufangen. Anschließend erzählen Sie ihr Hintergründe von Ihrem Nachbarn, die es ihr unmöglich machen, dessen Baby jemals wieder zu sitten (was immer Ihnen einfällt - in der Altersspanne von Babysittern funktioniert aber sicher besonders gut Tierquälerei.) Ihr Fall hat übrigens großes Potenzial für eine französische Komödie, in der intellektuelle Paare sich über First-First-World-Inselthemen streiten und dabei vor großen Bücherwänden Wein trinken, ohne dass ihre Gläser jemals leerer werden. Es ist eine Welt, in der die Nichtvermittlung eines Babysitters durch Claude an Olivier bald zu seelischen Verletzungen Oliviers führt und irgendjemand mit irgendjemandem geschlafen hat, der Richard hieß, was alle wissen, ohne es zu sagen. In so einer Welt möchte ich gerne mal leben. PS: Bis Sie die Babysitterin eingefangen haben, sitte ich Ihre Kinder gerne übergangsweise. PPS: Verzeihen Sie die Ironie. Diese Frage erschien mir so absurd, dass ich (im Gegensatz zu sonst) nicht ernsthaft darauf antworten konnte.