„Du bist mein Selawieopa. Das kommt aus dem Französischen von C’est la vie, ‚so ist das Leben eben‘. Wenn du es sagst, zuckst du dazu meistens mit den Schultern. Dein Knie macht mal wieder Probleme? Du kriegst dich mit Oma wegen der Dienstagnachmittagspläne in die Haare? Dein Tee schwappt auf die Untertasse? C’est la vie! Beschweren, sagst du, macht doch vor allem eins: schlechte Laune. Ich finde das stark. Dabei hättest du eigentlich jeden Grund, dich zu beschweren: In deinem Leben hast du viele schlimme Sachen erlebt, du musstest im Krieg fliehen und dich an einem völlig fremden Ort neu erfinden. Und du musstest – weil nichts anderes da war – sehr viel Haferbrei essen. So viel, dass dir jetzt schon bei dem Geruch schlecht wird. Und jetzt auch noch das Knie. Auf manche Sachen, sagst du, haben wir einfach keinen Einfluss. Und das ist auch in Ordnung. Das hat nichts mit Kapitulieren zu tun. Es schafft eher eine neue Gelassenheit, eine Offenheit. Natürlich kann man auf die vollgekleckerte Hose starren, den Fleck rausrubbeln, oh Mann! Oder man konzentriert sich einfach auf die unfassbar leckeren Nudeln mit Tomatensoße, die den Fleck verursacht haben. Danke, Selawieopa, dass du mir das Schulterzucken gezeigt hast.“
Emma, 15, aus Erlangen
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