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Familienformen im Zensus 2011:Regenbogenkinder sind sozial kompetenter

Die Zahl der überwiegend lesbischen Eltern in Regenbogenfamilien ist allerdings nur zu einem geringen Anteil Ausdruck mangelnder Gleichstellung Homosexueller im Adoptionsrecht. Diese scheint spätestens seit der Karlsruher Entscheidung zur Sukzessiv-Adoption in greifbare Nähe gerückt.

Doch selbst wenn homo- und heterosexuelle Paare bei der Adoption nicht-verwandter Kinder völlig gleichgestellt würden - an der Statistik dürfte das nur wenig ändern. Denn die Zahl der Mädchen und Jungen, die in Deutschland insgesamt zur Adoption stehen, ist sehr begrenzt. 2011 wurden insgesamt 4060 Kinder adoptiert. Nur 1690 waren keine Stiefkinder oder anderweitig verwandt.

Während zur Veränderung der Familienformen auch gehört, dass immer mehr Kinder heterosexueller Paare bei Alleinerziehenden aufwachsen oder bei geschiedenen beziehungsweise getrennten Eltern, zeigt die Forschung, dass die Beziehungen homosexueller Elternpaare stabiler sind als die heterosexueller. So wuchs 2011 in Deutschland jedes fünfte Kind bei nur einem Elternteil auf - von den in der Kölner Regenbogenstudie erfassten Eltern lebten dagegen nur drei Prozent als Single. 41 Prozent der Befragten waren bereits mehr als zehn Jahre mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner zusammen, weitere 25 Prozent fünf bis zehn Jahre lang.

"Wenn man wie meine Mütter in einer homosexuellen Beziehung lebt, hat man sich sehr lange mit seiner Identität auseinandergesetzt", sagte der 18-jährige Malte im SZ-Magazin-Interview. Das dürfte dazu beitragen, dass, wenn Studien Unterschiede bei Kindern aus Regenbogen- und solchen aus traditionellen Familien feststellen, diese positiv sind. Regenbogenkinder verfügen demnach über ein höheres Selbstwertgefühl, zeigen mehr soziale Kompetenz und größere Toleranz. Was auch damit zu tun haben dürfte, dass es in homosexuellen Beziehungen nicht zu ungewollten Schwangerschaften kommt.

Während Regenbogenkinder wie Malte immer wieder um die gesellschaftliche Anerkennung ringen müssen, und auch politisch noch vieles geschehen muss, bis Begrifflichkeiten wie "traditionelle" und "Homo-" Ehe obsolet werden, ist die Gleichstellung in der Statistik schon vollzogen: Der Zensus 2011 weist beim Familienstand in der Kategorie "Verheiratet/Lebenspartnerschaft" nur noch eine gemeinsame Zahl aus.

© Süddeutsche.de/jobr/rus
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