Familie 40 Väter, die wir lieben

Tolle Väter (im Uhrzeigersinn von links oben): Robert E. Kelly, Efraim Langstrumpf, Stellan Skarsgård, Jeff Goldblum, David Beckham, Toni Erdmann, Barack Obama, Gru, Sigmund Freud und Justin Trudeau

(Foto: AP, AFP, Getty, Reuters, dpa, Imago, Beta Film, Komplizen Film)

Sich selbst feiern kann jeder. Noch besser: Auch mal von anderen gefeiert werden. Diese Männer haben es verdient.

Von SZ Familie

Franz-Josef Wuermeling - Karnickel-Experte: Die Emanzipation der Frau sah er skeptisch, überhaupt war Deutschlands erster Familienminister ein recht kon­servativer Knochen. Für Familien und allein­erziehende Frauen aber tat er von 1953 bis 1962 viel: Der Vater von fünf Kindern stritt für Kindergeld, bezahl­baren Wohnraum und nicht zuletzt für jene legendäre Familienermäßigung bei der Bahn, die bis 1999 galt und seinen Namen trug. Mit dem "Wuermeling­­-Pass", auch bekannt als "Kanickelschein", fuhren Generationen von Groß­­familien-Kindern bis zum 25. Lebensjahr zum halben Preis. Wo ist er heute nur, dieser Wuermeling?

Ta-Nehisi Coates - Seismograf: Mit 15 beginnt sein Sohn Samori zu begreifen, dass seine Hautfarbe für ihn immer ein Thema sein wird. Coates - einer der wichtigsten Essayisten Amerikas - schreibt seinem Teenager in "Zwischen mir und der Welt" einen Brief, in dem er versucht, ihm zu helfen. Es ist ein bewegender und brillant durchdachter Text, so wie eigentlich alles, was Coates über sein Land schreibt. Und es macht die Bürde der­jenigen deutlich, die ihre Kinder in eine Welt schicken müssen, die ihnen nicht wohlgesonnen ist.

Jeff Goldblum- im Zweifel richtig: Man könnte Jeff Goldblum dafür feiern, dass er mit 62 zum ersten Mal Vater wurde - in einem Alter, in dem andere Enkel bekommen, total mutig. Aber so einfach macht der Schauspieler es sich nicht mal selbst. Die Frau dafür hat er wohl erst spät kennen­gelernt und dann trotzdem gezweifelt, gibt der Vater von Charlie, zwei Jahre, und River, zehn Monate, zu: Ohne gutes Zureden seiner Therapeutin hätte er es vielleicht nicht gewagt. Dass man Bedenken hat (wer hat die nicht?) und sich dennoch für Kinder entscheidet, kann man tatsächlich lässig finden. Ganz egal, wie alt jemand ist.

Noch besser, als mit Tragetuch spazieren zu gehen: als Mann selbst Babys auf die Welt zu bringen. So wie im Tierreich die Seepferdchen.

Nils Pickert - Feminist: Als sein fünfjähriger Sohn ein Kleid tragen wollte, sagte Nils Pickert nicht nur "Ja, okay", sondern zog einen Rock an, um Anfeindungen und Spott von seinem Kind weg auf sich selbst zu lenken. Das Bild davon und Pickerts Text zur Geschichte wurden ein Internethit, sodass er noch fünf Jahre später "der Vater mit dem Rock" ist. Der Chefredakteur der Website Pinkstinks schreibt außerdem regelmäßig für Elternmagazine und Blogs. Mit seiner Freundin hat er vier Kinder, und jetzt, wo die Ehe für alle endlich durch ist, will das Paar auch heiraten.

Justin Trudeau - Oh, wie schön ist Kanada: Premierminister, der beweist, dass auchsehr mächtige Männer öffentlich weinen,mit Pandabären kuscheln und drei Kinder wickeln können.

Efraim Langstrumpf - starker Typ: Stinkreich, wahnsinnig dick und nie da. Was an Efraim Langstrumpf, dem Pippi-Papa, bitte schön toll sein soll? Während der König von Taka­-Tuka-Land übers Meer segelt, lässt er Pippi freie Hand: Er vertraut seiner Tochter blind.

Nick Cave - empfindsam: Der Tod eines Kindes ist der Albtraum aller Eltern. Nick Caves Sohn Arthur starb 2015, als er mit 15 unter LSD-Einfluss eine Klippe hinabstürzte. Seitdem verarbeitet der Vater, der vorher Kunst und Leben meist trennte, die Trauer in Liedern und Filmen und zeigt, genau wie seine Frau, Zerbrechlichkeit und Stärke zugleich: "Susie und ich haben uns entschieden, glücklich zu sein in unserer Trauer."

Robert E. Kelly - Viralpapa: Während einer Live-Schaltung mit der BBC stürmten seine kleinen Kinder das Homeoffice des Korea-Experten. Die Vereinbarkeitshektik von Kelly und seiner Frau war so sympathisch wie lustig.

Jochen König - Regenbogen-Vater: Die Tochter sagte anfangs "Mama" zu ihm - für Jochen König okay, schließlich war er die Person, die sich hauptsächlich kümmerte. In seinem ersten Buch schrieb er "von der Angst des Vaters, keine gute Mutter zu sein". Inzwischen hat er zwei Töchter, zu denen es drei Mütter gibt, gemeinsam leben sie das Wechselmodell. Auf seinem Blog reflektiert König regelmäßig die Herausforderungen dieses Beziehungsgefüges. Seine Haltung: Die bürgerliche Klein­familie ist nicht die einzige Lebensform, in der Kinder glücklich sein können.

Halvar von Flake - er hat eine Idee! Bärbeißiger Proletenhäuptling, der am Ende stets einsieht: Er braucht dieHilfe seinesSohnes.

Florian Sump - mittendrin statt nur dabei: Sie singen von den besten, gemeinsten Eltern - und zwar so, dass die auch gern mithören. Grandios humorvoll, immer auf den Punkt. Wie das geht? Flo ist Erzieher und der einzige Vater in der Band "Deine Freunde".

Hugh Jackman - der will nur spielen: Auf die Plätze, fertig los: "Die einfachsten Dinge machen dich glücklich, wenn du Vater bist", sagt der Schauspieler und zeigt, was er damit meint - Grimassen schneiden, Flip-Flops an die Ohren hängen, im Schnee toben oder eben Wettrennen veranstalten. Zum kindlichen Gemüt gehört ein überaus treues Wesen. Mit seiner Frau Deborra ­Lee Furness, einer Produzentin, ist er seit mehr als 20 Jahren verheiratet. Zusammen haben sie zwei Adoptiv­kinder: Oskar, 17, und Ava, zwölf Jahre.

David Beckham - Volltreffer: Lego-Märchenschloss bauen, Kamin anfeuern, kochen, Fußball schauen - früher Freistoßgott mit zweifelhaftem Modegeschmack, heute Modedesignerin-Gatte mit Hausmannqualitäten.

Springaffenmännchen - tragende Rolle: Wochenbett bei den Springaffen: Der Vater lässt das Neugeborene auf seinem Rücken liegen. Und rührt sich während dieser Zeit kaum von der Stelle.

Toni Erdmann - Wahnsinns-Typ: Zeigte seiner Tochter im gleichnamigen Film mit Fake-Identität, Zottelperücke und Gebiss seine spezielle Liebe.

Andrew Solomon - Liebe ohne Bedingungen: Kleinwüchsige, Kriminelle, Autisten - wie ist es für Eltern, ein Kind zu bekommen, das anders ist, als sie es sich ursprünglich gewünscht hatten? Für sein Buch "Weit vom Stamm" befragte Andrew Solomon 300 Familien, auch die des Columbine-Attentäters Dylan Klebold. Es ist ein Buch über die Größe elterlicher Liebe. Während der zehnjährigen Recherche entschied Solomon, Vater werden zu wollen: "Ich wusste: Ich werde jedes Kind lieben können." Heute hat er mit seinem Mann, einem Journalisten, vier Kinder.

Gru - ein Guter: Wenn ein Superschurke mit Haken­nase, fiesem Blick und obligatorischem Russenakzent plötzlich auf die gute Seite wechselt, dann können eigentlich nur Kinder dafür verantwortlich sein. Im Falle von Gru, dem Fiesling aus "Ich - Einfach unverbesserlich", ist es so: Die drei kulleräugigen Waisen­mädchen Agnes, Margo und Edith leiern ihrem Adoptivvater Hawaii-Geburtstagspartys aus den Rippen und bringen ihn dazu, statt Massenvernichtungswaffen Marmelade im Kellerlabor zu entwickeln. Verrrry sweet.

Volker Baisch - Väter-Vater: Vor 17 Jahren war er einer der wenigen, die sich Kinder und Karriere gerecht mit ihrer Frau teilten. Sein Arbeitgeber hatte kein Verständnis, Volker Baisch dafür eine Geschäftsidee: Er gründete den Verein "Väter", über den sich Papas austauschen können, und später eine Beratungsfirma, die bis heute mehr als 100 Unternehmen gezeigt hat, wie sie väterfreundlicher werden können.

Richy Müller - er rockt: Hat seine Tochter Paulina als Kind mit offenen Fenstern durch die Stadt gefahren und dabei ganz laut Wu-Tang Clan gehört. Irgendwann waren der Tochter die Lederstiefel dann ein bisschen peinlich. Mittlerweile nimmt er sie mit auf den roten Teppich, wenn sie mag - was von großer Vaterliebe zeugt, vor allem weil er selbst von der Glitzerwelt schon längst nicht mehr überzeugt ist und viel lieber seine Ruhe hat.

Sigmund Freud - Brief-Freud: Der Entdecker des Ödipuskomplexes war ein warmherziger Vater. An seine sechs Kinder verfasste er fortwährend Briefe - die vor ein paar Jahren in einem Buch erschienen sind. Der schöne Titel: "Unterdeß halten wir zusammen".

Liev Schreiber - kein Paar, aber eine Familie: Zitat aus der Trennungserklärung von Liev Schreiber und Naomi Watts, 2016, nach elf Jahren Ehe: "Mit großer Liebe, Respekt und Freundschaft in unseren Herzen freuen wir uns, unsere Kinder gemeinsam zu erziehen und diesen neuen Abschnitt unserer Beziehung zu entdecken." Wie das aussieht, kann man in Echtzeit auf den Instagram-Accounts der beiden beobachten. Kein Post ohne Herzchen des anderen.

Daniel Barenboim - mit freier Hand: Was Messi für den Fußball, ist Barenboim für die klassische Musik, ein Jahrhunderttalent. "Kinder behandelt man entweder zu lange wie Babys oder zu früh als Erwachsene. Ich gehöre zur zweiten Kategorie. Ich war nie ein Vater, der gesagt hat: 'Du musst.'" Statt seine zwei Söhne zu überreden, ein In­strument zu lernen, spielte er mitihnen Backgammon, schaute Fußball. Trotzdem wurden sie Musiker. Michael, Geiger, sagt: "Man muss nicht Messi Nummer zwei sein." David, Hip-Hopper, freut sich, dass der Vater zu seinen Konzerten kommt und "Spaß hat".

Martin Luther - kreativer Protest(ant): In Trauer versinken? Für Martin Luther und seine Frau Katharina von Bora keine Alternative. Zwei ihrer sechs Kinder starben früh, das siebte war eine Fehlgeburt. Trotzdem nahmen sie elf Waisenkinder auf. Nicht nur mit kreativen Patchwork­-Familien-Konstellationen war Luther seiner Zeit längst voraus: Als Paten für seine Kinder wählte er sowohl Männer als auch Frauen aus, da beide Geschlechter für ihn in der Erziehung und im Glauben eine wichtige Rolle spielten.

Barack Obama - Papa-Potus: Als US-Präsident war Obama immer auch ausdrücklich Familienvater. Seine Töchter prägten seine Politik.

Prinz Haakon vonNorwegen - Future King of Cool: Hat als zukünftiger König eine bürgerliche alleinerziehende Mutter gehei­ratet und füllt seitdem seine Rolle als royaler Patchwork-Papa mit skandina­vischem Understatement aus.

Colin Farrell - ganz besonders: Sein älterer Sohn James, 14, hat das Angelman-Syndrom, ist also körperlich und geistig stark eingeschränkt. Auf Youtube kann man sich anschauen, wie der Schauspieler immer wieder durch die großen US-Talkshows zieht und vom Glück erzählt, das es für ihn bedeutet, zwei besondere, gut gelaunte Kinder zu haben.

Roald Dahl - Mann mit vielen Talenten: Schokoladenliebhaber, Zwiebelzüchter, Pilot, Geschichtenerzähler, Tüftler: Nachdem Sohn Theo als Kleinkind bei einem Unfall schwere Hirnver­letzungen erlitt, entwickelte Roald Dahl ein Ventil, damit Hirnwasser abfließen kann. Bis heute wurde es mehr als 3000 Kindern implantiert.

Philip Christensen - Rückenfreihalter: Ohne Mann zu Hause wäre Brigitte Nyborg in der sehenswerten dänischen Serie "Borgen" nicht Premierministerin geworden und die Familie deutlich früher zerfallen. Dass Philip irgendwann abhaut, kann man ihm nicht richtig übel nehmen. Schließlich sind auch Superväter nur Menschen, genau wie Supermütter.

Michi Kern - wenn weniger mehr ist: Münchner Ex-Nachtklubkönig, Yoga­-Studio-Betreiber, dazu ein veganes Buch-Café. Spät Vater zweier Kinder geworden, die ihn ruhiger und anspruchsloser gemacht haben, sagt er: "Ich habe kein Auto, kein Smartphone, keinen Fernseher. Das verschafft mir Freiheit, auch finanzielle." Dafür muss er seine Kinder mit einem "peinlichen Lastenfahrrad" herumfahren.

Nico Rosberg - Generation Y: Auf dem Höhepunkt beendete er 2016 als Formel-1-Weltmeister seine Kar­riere, um mehr Zeit für seine Frau und die inzwischen zwei Kinder zu haben.

Mumin-Papa - fabelhafter Finne: Mit weniger Großzügigkeit könnte man den Mumin-Papa auch als Slacker bezeichnen, aber ist er nicht charmant? Klar, Mumin-Mama macht die emotionale und praktische Arbeit in der Familie, während Mumin-Papa meistens nur adrett aus der Wäsche guckt, aber oft ist es seine Unvoreingenommenheit und Lebenslust, die der Familie die schönsten Abenteuer beschert.

Albert Schweitzer - Humanist: Friedensnobelpreisträger, Philosoph, Theologe, Musikwissenschaftler - und Urwaldarzt, der sein Leben den Armen Afrikas widmete. In Gabun gründete er ein Krankenhaus, das es heute noch gibt. Seine Tochter Rhena hat mit ihm dort gearbeitet, ihr gab er mit, was ihm so wichtig war: Nächstenliebe. Als während einer Hungersnot in den 60er-Jahren die Klinik nicht mehr alle Patienten versorgen konnte, nahm die Tochter 20 Kinder mit zu sich nach Hause, um sie dort zu versorgen - getragen von dem Gedanken des Vaters, der sagte: "Wie oft habe ich mir gesagt, dass in einem Kinderherzen viel mehr vorgeht, als es ahnen lässt."

Stellan Skarsgård - jung geblieben: Stellan Skarsgård, 66, hat aus zwei Ehen acht Kinder im Alter zwischen fünf und 41 Jahren. Einer seiner Söhne, Alexander, gilt als Shooting-Star im internationalen Film. Der Vater arbeitet fünf Monate im Jahr, den Rest der Zeit ist er für seine zwei jüngsten Kinder da, nicht ganz uneigennützig: "Ich hätte es irgendwann sein lassen können mit dem Kinderkriegen. Aber was dann? Ich habe Freunde in meinem Alter, die sich zur Ruhe gesetzt haben. Da ist nichts los. Ich möchte auf Zack bleiben."

Und außerdem:

Für seine Lässigkeit: Tom Ford, Modedesigner, der mit seinem Sohn am liebsten in Texas reitet und malt.

Für seine Hemdsärmeligkeit: Zwerghamster. Zieht den Nachwuchs eigenhändig aus dem Geburtskanal.

Für seine Zeitlosigkeit: Der Vater aus "Vater und Sohn", der gemütlichste Vater der deutschen Comic-Geschichte.

Für seine Modernität: Jörg Asmussen, Superbanker, der für die Familie mehrere Topjobs sausen ließ.

Für seinen Mut: Andreas Kieling, Seine Söhne nimmt der Tierfilmer mit auf seine Abenteuerreisen.

Für seine Priorisierung: Robert Habeck. War erst Hausmann, bevor er in die Politik ging.

Süddeutsche Zeitung Familie
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Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe von SZ Familie. Weitere Themen:

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