Beziehungskiller Smartphone Der Feind in unserem Bett

Sobald das Smartphone ins Bett mitkommt hat Romantik keine Chance mehr

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Paare streiten heutzutage nicht mehr nur um den Einkauf, sondern auch über Fernsehen, Facebook und Smartphone. Inzwischen fühlt sich jeder vierte Deutsche vom Handy seines Partners bedroht.

Von Titus Arnu

Die Fernsehserie "Killer-Paare - tödliches Verlangen" kann wirklich tödlich sein. Für die Stimmung. In der Krimiserie geht es um Männer und Frauen, die so irrsinnig ineinander verliebt sind, dass sie den Verstand verlieren, und deshalb Dinge tun, die sie sonst nie tun würden. Sie nehmen Drogen (die Folge heißt natürlich "Im Rausch der Leidenschaft"), sie planen Entführungen und bringen sogar gemeinsam andere Menschen um. Irgendwie stellt man sich unter Romantik ein bisschen was anderes vor.

Paare, die "Killer-Paare" anschauen, stellen sich eine Reihe problematischer Fragen. Ist man nicht mehr irre verliebt, wenn man nicht gemeinsam andere Menschen tötet? Sollte man wenigstens mal wieder sanfte Drogen zusammen nehmen, Stichwort "Rausch der Leidenschaft"? Oder ist es nicht eigentlich das größte Vergehen an der Romantik, lieblos auf einen Flachbildschirm zu starren, auf dem der Liebeswahn tobt?

TV total statt Romantik total

Fernsehen erhöht nicht unbedingt den Romantikfaktor. Es geht schon mit der Wahl des Programms los. Sie möchte "In aller Freundschaft" schauen, er lieber Fußball. Er mag schrottige Science-Fiction-Filme mit vielen Explosionen, sie französische Kunstfilme, in denen die Handlung aus Reden und Rauchen besteht. Sie hört gerne stundenlang irgendwelchen Schwätzern in Talkshows zu, aber wenn die Dumpfbacke neben ihr auf dem Sofa nur eine kleine Frage zu der verworrenen Handlung des "Tatorts" stellt, zischt sie: "Pst! Ich könnte es dir erklären, aber du verstehst es ja sowieso nicht." Der kleinste gemeinsame Nenner: Wetterbericht, Heute-Show, Fußball-WM-Endspiele, das war's dann auch schon.

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Die Zeiten, in denen sich ein Paar nur auf einen Bildschirm und ein Programm einigen musste, sind allerdings längst vorbei. In den meisten Wohnzimmern läuft abends zwar die Glotze, aber gleichzeitig schaut der eine auf seinem Laptop Youtube-Filmchen, während der andere mit Freunden über Whatsapp chattet. Ab und zu piept auch noch das iPad - die dringende Aufforderung, endlich bei Quizduell weiterzuspielen. Und wenn das Fernsehprogramm einen anödet, also jeden Abend, werden Apple TV oder Xbox angeworfen oder Filme und Serien gestreamt. Wenn er dann erst mal mit der neuen Staffel von "Game of Thrones" angefangen hat und sie angesichts des Gemetzels fröstelnd alleine ins Bett geht - na gute Nacht.

TV total statt Romantik total: Medienkonsum kann ein Paar-Killer sein. Kommunikationswissenschaftler haben untersucht, wie das Fernsehen die Liebe töten kann: In einer Studie mit etwa 400 verheirateten Paaren befragten Forscher der Universität Michigan Männer und Frauen über ihre Idealvorstellungen einer Beziehung - sowohl im echten Leben als auch in der Fiktion. Das Ergebnis: Je mehr sich die Befragten für die Liebe auf der Mattscheibe begeistern konnten, desto matter erschien ihnen schließlich ihre eigene Beziehung. Irgendwann erkennt man halt, dass die Pilcherisierung zwar im ZDF-Hauptprogramm voranschreitet, nicht aber in der eigenen Ehe.

Noch dazu sind die medialen Fluchtmöglichkeiten und somit die Projektionsflächen für unerfüllte Wünsche vielfältiger geworden. Wenn der langweilige Alte im Wohnzimmer alberne Actionfilme schaut, guckt sie sich eben auf Facebook interessantere Männer an. Und wenn sie sich an einer dieser seltsam erfolgreichen Serien festsieht, warum soll er sich dann nicht per Whatsapp mit dieser Dings verabreden? Oder wenigstens ein paar nette Emoticons hin- und herschicken, wenn dieser lächerliche Oberarzt in dieser lächerlich schlechten Arzt-Saga anscheinend alle Emotionen der Gattin abbekommt?