Familien-Newsletter:Sollen Eltern bei den Hausaufgaben helfen?

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Gerne macht es niemand, richtig finden es nur manche, doch viele haben den Eindruck: Es geht eben nicht anders. Über ein verbreitetes Eltern-Dilemma.

Dieser Text stammt aus dem Familien-Newsletter der Süddeutschen Zeitung, der jeden Freitagabend verschickt wird. Hier können Sie ihn abonnieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,

einmal die Woche, meist an einem Donnerstagmorgen, blinkt auf meinem Handy eine Nachricht auf: "Na?", steht dann da, ich antworte meist mit "Jo" - und damit ist alles Wesentliche gesagt. Und zwar, für Sie übersetzt, das Folgende: "Ich habe heute Zeit, sollen wir uns abends treffen?" "Na klar, sehr gerne!" Die Chatgruppe, in der ich so beredt kommuniziere, heißt "Selbsthilfegruppe Bier & Baby". Zwei Freunde und ich haben sie aufgesetzt, als wir mehr oder minder gleichzeitig Nachwuchs bekamen.

Heute trinken wir im Gegensatz zu damals auch gerne mal alkoholfreies Wunderbier - und das mit dem "Baby" stimmt natürlich nicht mehr. Vielleicht wäre es Zeit, die Gruppe umzubenennen, in "Selbsthilfegruppe Katerfrei & Hausaufgabenhilfe" oder so. Denn am vergangenen Donnerstag berichtete mein Freund Thomas erst von der anstehenden Physik-Klausur, auf die er seit Tagen mit seiner Tochter lernt. Thomas hat von uns als erster Kinder bekommen und ist seither unser Frühwarnsystem für kommende Herausforderungen. Eine davon heißt Physik, ein Fach, dessen Inhalte ich komplett verdrängt habe, wohl meine Art, mit Traumata umzugehen.

Weitere Themen an diesem Abend: Rechtschreibung, Schönschrift, Lamenti über unsere Kinder, die ihre Stifte halten wie Primaten (wie sehr liebe Primaten natürlich). Verwunderung über Lehrer, die sehr geduldig versuchen, Hefteinträge und Proben zu entziffern, statt es so zu machen wie Thomas' und mein Physiklehrer damals. Der hatte einen Stempel, den er im Zweifelsfall aufs Blatt klatschte: "Unleserlich, daher falsch". Erst unser Freund Rico, der Pädagoge ist und an diesem Abend etwas später dazustieß, holte uns ein wenig herunter. Und sagte: "Das kriegen die Kids schon hin."

Ob elterliche Einmischung in Schuldingen langfristig schädlich oder leider unvermeidbar ist, darüber debattieren meine Kolleginnen Tanja Rest und Lilith Volkert in diesem lesenswerten Pro-Contra. Denn wissenschaftlich ist zwar seit Langem erwiesen, dass Kinder besser und motivierter in der Schule sind, wenn ihre Eltern sie unterstützen. Allerdings meinen sie damit eben nicht Mittelschichtseltern, die mit ihrem Drittklässler fleißig üben, wie das Auge aufgebaut ist. Welche Art der Hilfe sinnvoll ist und wann sich Eltern lieber mal zurückhalten sollten, hat Lilith Volkert für diesen Text recherchiert.

Ich glaube fast, ich poste die beiden Texte mal in unsere Chatgruppe - dann steht da mal was anderes als nur "Na?" und "Jo."

Ein schönes Wochenende wünscht

Moritz Baumstieger

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Ja, es ist erwiesen, dass Kinder, deren Eltern beim Lernen helfen, besser in der Schule sind. Trotzdem kann man es mit dem Engagement übertreiben. Wie Eltern am besten unterstützen können - und was sie unbedingt sein lassen sollten.

Von Lilith Volkert

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