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Extremkletterer Karl Unterkircher:Besessen von den Bergen

Der Südtiroler Karl Unterkircher galt als "neuer Stern am Bergsteiger-Himmel". Doch jetzt ist ihm der Nanga Parbat wohl zum Verhängnis geworden.

Julius Müller-Meiningen

Den "neuen Stern am Bergsteiger-Himmel", so nannte ihn Reinhold Messner kürzlich. Was genau mit dem 37-jährigen Südtiroler Alpinisten Karl Unterkircher am Nanga Parbat passierte, ist bislang nicht im Detail bekannt. Aber Messner nimmt an, dass Unterkircher bereits nach dem Absturz in eine Gletscherspalte tot war.

Extrembergsteiger Karl Unterkircher.

(Foto: Foto: dpa)

"Wenn er bereits nicht mehr am Leben war, dann versuchen die anderen beiden natürlich, ihr Leben zu retten. Das ist eine ziemlich instinktive Angelegenheit", sagt Messner der Süddeutschen Zeitung. "Dass man dann mit seinem Kollegen in der Wand sterben muss, dass ist doch Kameradenkitsch aus den 1930er Jahren." Messner hatte 1970 am Nanga Parbat seinen Bruder Günther verloren.

In Unterkirchers Heimatort Wolkenstein im Grödnertal hoffen einige dennoch auf dessen Rückkehr: "Ich will die Telefone nicht abschalten, da ich immer wieder hoffe, dass auf dem Display die Nummer von Karl aufscheint. Ich weiß, dass es nie dazu kommen wird2, schreibt Unterkirchers Manager Herbert Mussner auf der Internetseite des Extrembergsteigers.

"'Auf die Berge verzichten zu müssen, wäre für Karl ein noch größeres Leid gewesen und hieße, langsam dahinsterben.' Diese Worte, geschrieben im guestbook von einer unbekannten Person, haben mich tief betroffen", schreibt Unterkirchers Frau Silke auf der Website.

Vielleicht sei sich der Schreiber gar nicht bewusst, wie sehr er damit den Nagel auf den Kopf getroffen habe.

Unterkircher hinterlässt seine Frau und drei Kinder. Der ausgebildete Automechaniker machte mit 15 Jahren seine ersten Kletterversuche. In seiner Militärzeit war er Kletterausbilder bei den Fallschirmjägern. Unterkircher galt als außerordentlich erfahrener Bergsteiger. Er war bei der Bergrettungsgruppe Gröden aktiv und Vorsitzender einer Bergrettungsorganisation in den Dolomiten.

Wegen seiner zahlreichen Erstbesteigungen, allein 40 davon in den Dolomiten, wurde er unter anderem in seinem Heimatort zum Ehrenbürger ernannt und erhielt einen hohen italienischen Verdienstorden.

2004 stellte er einen Weltrekord auf, als er innerhalb von 63 Tagen die beiden höchsten Gipfel der Welt, den Mount Everest und den K2 ohne Sauerstoffflaschen bestieg.

© SZ vom 21.07.2008/bica
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