Extrem-Hindernislauf Tough Mudder Joggen? Langweilig!

Er bekommt nie genug: Michael Wohlfart hat bereits 27 "Tough Mudder"-Läufe absolviert. Im Dezember folgt Nummer 28 und 29.

(Foto: privat)

Ein "Tough Mudder"-Rennen bedeutet 16 bis 18 Kilometer Joggen, Elektroschocks, Eisbecken. Warum tun sich das Menschen freiwillig an?

Von Julia Bosch

Der Körper ist voller Schlamm, die Farbe der Sportkleidung kaum zu erkennen. Dem jungen Mann läuft der Schweiß über das verdreckte Gesicht, ein orangefarbenes Stirnband schützt die Augen vor den Tropfen. Obwohl das Foto nach Anstrengung, Qual und völliger Erschöpfung aussieht, lacht der Fotografierte glücklich in die Kamera. Die Bildunterschrift lautet: "Tough Mudder 2016 - I still can't believe it but I made it". Ich kann es immer noch nicht glauben, aber ich habe es geschafft.

Fotos wie dieses tauchen in den Facebook-Timelines immer häufiger auf. Etwa 35 000 Menschen in Deutschland und mehr als 150 000 Menschen europaweit haben in diesem Jahr an einem sogenannten "Tough Mudder"-Event teilgenommen. Sie lassen sich auf eine Mischung aus Langstreckenlauf, Krafttraining und Bundeswehr-Grundausbildung ein. 16 bis 18 Kilometer laufen, 20 bis 25 Hindernisse. Und Hindernis bedeutet nicht etwa Sackhüpfen oder mit einem Fußball im Slalomlauf zwischen Hütchen hindurchdribbeln. Bei einem "Tough Mudder" taucht man durch Eiswasser, robbt sich unter einem Zaun hindurch durch den Schlamm oder weicht Elektroschocks aus.

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Worin besteht der Reiz dabei? Michael Wohlfart muss es wissen. Der 30-Jährige aus Ludwigshafen hat schon an 27 "Tough Mudder"-Events teilgenommen, Anfang Dezember läuft er in Dubai bei Nummer 28 und 29 mit. "Mir ist Joggen einfach zu langweilig", sagt Wohlfart, der hauptberuflich Assistent einer Europaabgeordneten ist und nebenbei den Blog "Mudder Guide" betreibt.

Das Überwinden der Hindernisse mit Namen wie "Balls to the Wall", "Kiss of Mud" oder "Electroshock Therapy" ist für Wohlfart eigentlich zweitranging. "Das Besondere bei Tough Mudder ist die Kameradschaft und die Herausforderung, sich seinen Ängsten zu stellen", sagt er. Zum Konzept gehöre, dass es keine Platzierungen nach Zeit gibt. Daher sei es völlig egal, wie lange man brauche, um durchzukommen - vielmehr gehe es darum, sich gegenseitig zu helfen, auch wenn man sich nicht kennt.

Viele Hindernisse sind ohne Hilfe nicht zu bewältigen

So sind auch die Hindernisse konzipiert: Es gibt zwar einige Individual-Aufgaben, wie zwischen elektrisch aufgeladenen Kabeln über einen nassen Untergrund zu robben oder sich an Sprossen entlang zu hangeln, doch einen großen Teil der Hindernisse kann man ohne fremde Hilfe kaum oder gar nicht bewältigen. "Die Zusammengehörigkeit ist fast schon magisch", sagt Wohlfart.

Ohne Kameradschaft geht es beim "Tough Mudder" tatsächlich nicht. Denn dass man mit mindestens einer seiner Ängste konfrontiert wird, ist sehr wahrscheinlich. Große Höhen, extrem enge Räume, totale Dunkelheit, Kälte - die Hindernisse bringen jeden Teilnehmer irgendwann an seine Grenzen.