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Expertentipps zur Kinder-Erziehung:Tipps für Nächte ohne Schnuller

Süddeutsche.de: Werden die dann zu Daumenlutschern?

Keicher: Nicht zwangsläufig, aber manche nuckeln schon. Und das abzugewöhnen, ist wesentlich schwieriger. Der Daumen lässt sich schließlich nicht wegpacken. Bei Säuglingen hat das sowieso keinen Sinn. Bei Zweijährigen kann man dann versuchen, sie vom Nuckeln abzulenken. Oder lustige Pflaster um die Finger kleben.

Süddeutsche.de: Nun bleibt der Schnuller tagsüber in der Schublade. Doch nachts wird es schwierig. Für Argumente sind weinende Kleinkinder im Halbschlaf nicht wirklich offen. Wie sollte die Familie die ersten schnullerlosen Nächte angehen?

Keicher: Am Anfang kann man den Schnuller zum Einschlafen noch lassen, meist plumpst er dann sowieso heraus. Mit den Kindern sollte man die schnullerfreie Nacht ganz offiziell besprechen und gleich einen kleinen Ersatz dafür anbieten, zum Beispiel einen Kuschelbären, damit dann bald auch das Einschlafen ohne Schnuller klappt.

Süddeutsche.de: Also ist Bestechung in Ordnung?

Keicher: Eher eine Belohnung für den Verzicht. Die müssen die Kleinen aber gleich bekommen und nicht erst am nächsten Morgen. Dann ist die Belohnung viel zu weit weg und kein Trost mehr. Zusätzlich sollten die Eltern viel trösten und sich wenn nötig mit ans Bett setzen, bis die erste Zeit überstanden ist.

Süddeutsche.de: Doch in der Nacht weint das Kind hysterisch, schreit nach seinem Schnuller und schleudert den Ersatz-Tröster aus dem Bett, während die Eltern verzweifeln. Dürfen sie in dem Moment einknicken oder war dann alle Mühe vergebens?

Keicher: Wenn es gar nicht geht, können sie ruhig einen Schritt zurück machen und das bloß nicht dogmatisch angehen. Vielleicht braucht das Kind den Schnuller wieder, um bei Fieber schlafen zu können. Kinder verstehen es, wenn man ihnen die Ausnahme erklärt. Dann ist es vielleicht in den nächsten Nächten ohne Schnuller etwas schwieriger, aber das gibt sich wieder. Und wenn es gar nicht klappt, ist das Kind vielleicht im nächsten Monat so weit und will es dann auch selbst.

Süddeutsche.de: Erleichtern Rituale den Abschied vom Schnuller?

Keicher: Den Schnuller feierlich über Bord beziehungsweise in den Müll zu werfen, ist sehr hart für die Kleinen. Vielleicht mag das Kind ihn selbst in eine Schublade packen, so dass er zur Not wieder da wäre. Wenn gerade ein Baby in der Nachbarschaft geboren wurde, kann das Kind ihm den Schnuller schenken, schließlich ist es selbst schon groß und braucht ihn nicht mehr. Bei eigenen Geschwisterkindern würde ich aber davon abraten, das könnte die Eifersucht auf das Baby verstärken.

Süddeutsche.de: Was halten Sie von der Schnullerfee?

Keicher: Die Idee ist eigentlich nicht so schlecht, aber manche Kinder haben ein Problem mit ihr. Sie bringt zwar als Ersatz für den Schnuller ein Geschenk, aber immerhin schwebt nachts eine zwar märchenhafte, aber fremde Gestalt durchs dunkle Zimmer. Manche können da nicht mehr einschlafen. Dann holt sich die Fee den Schnuller besser vom Fensterbrett in der Küche ab.

Die Münchner Kinderärztin und zweifache Mutter Dr. Ursula Keicher ist Autorin von medizinischen Werken (das neueste ist der Ratgeber "Kinderkrankheiten" bei GU) und Kinderbüchern, unter anderem von dem Bilderbuch "Tschüss, mein kleiner Schnuller" (Pattloch).

Schön, wenn das Kind einsieht, dass es nun alt genug ist, um ohne Schnuller einzuschlafen. Aber muss die Premiere ausgerechnet an dem Abend sein, an dem Gäste eingeladen sind? Die Erziehungs-Kolumne.