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Expertentipps zur Erziehung:Wann ist es Zeit für ein Instrument?

Wie steht es mit der musikalischen Früherziehung, die meist nur einmal in der Woche stattfindet? Hat das überhaupt einen Effekt auf die Kinder?

Das hängt vom Kursaufbau ab. Wenn für Kleinkinder gemeinsame Singspiele geboten werden, zu denen sie sich auch bewegen und tanzen können, sind sie davon fasziniert. Da kann man Lieder passend zur Jahreszeit einbauen oder aus anderen Kulturen, was eine weitere Bereicherung für die Kinder wäre.

Wann ist die richtige Zeit gekommen, um ein Instrument zu lernen?

Viele Kinder wollen im Vorschulalter oder als Erstklässler ein Instrument spielen. Dürfen oder können sie das dann nicht, verschwindet dieser Wunsch bald. Der erste Unterricht muss übrigens nicht künstlerisch, sondern menschlich hochwertig sein, damit die Kinder eine Beziehung zur Musik aufbauen. Da ist nicht entscheidend, dass der Pädagoge mal Konzertvirtuose war, sondern ob er einen guten Draht zu Kindern hat. Wenn Kinder Musik lieben gelernt haben, können sie mit dem Musizieren nicht nur eigene Stimmungen regulieren, es fördert auch soziales Verhalten: Kein Chor, kein Orchester, keine Band funktioniert, ohne dass die Spieler aufeinander achten und kooperieren. Übrigens eint alle großen Musiker, dass in ihrer Kindheit viel gesungen wurde.

Doch wie wirkt es sich auf das Kind aus, wenn Eltern den nächsten Starpianisten heranziehen wollen?

Nun, es gibt musikalisches Talent, aber das lässt sich nicht erzwingen. Versuchen die Eltern das, verleiden sie dem Kind die Musik. Außerdem reichen zehn bis 15 Minuten Üben am Tag, länger können sich jüngere Kinder sowieso nicht konzentrieren und regelmäßige kleine Fortschritte bringen auf lange Sicht mehr. Eltern können aber ihr Kind, das mal mehr, mal weniger Freude am Musizieren hat, aktiv unterstützen, indem sie eine gute Beziehung zum Musiklehrer aufbauen, vielleicht sogar gemeinsam mit dem Kind dasselbe oder ein anderes Instrument lernen. Und ganz wichtig ist, dass das Kind sein Instrument und den Klang selbst schön findet - und nicht nur übt, weil es dafür eine Belohnung bekommt. Die Motivation muss von innen heraus kommen. Und wenn die Eltern ein besonders schönes Lied loben, freut dies das Kind ungemein. Da muss man nicht bis zum ersten Konzert warten.

Gunter Kreutz ist Professor für Systematische Musikwissenschaften an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. Dort forscht er unter anderem zu den Themen Musikkognition und -emotion, Psychologie der Musik sowie über den Zusammenhang zwischen Musik und Gesundheit.

Wer sein Kind musikalisch fördern will und sich den Unterricht leisten kann, lässt es ein Instrument erlernen. Doch was, wenn sich der Nachwuchs auch nach der besten musikalischen Früherziehung nicht für das wohlklingendste entscheidet - sondern für die Blockflöte? Die Erziehungs-Kolumne "Kinder - der ganz normale Wahnsinn".

© Süddeutsche.de/leja/segi
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