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Expertentipps zur Erziehung:Und wenn das Kind ein Pony will?

Wenn der größte Wunsch des Kindes aber keine Ritterburg ist, sondern ein Pony oder ein Hund, können und wollen Eltern das meist nicht erfüllen.

Das müssen sie ihren Kindern unbedingt noch vor dem Wunschzettelschreiben erklären: Das Christkind oder der Weihnachtsmann wird kein Pony bringen, weil es weiß, dass wir nicht genug Platz dafür haben. Aber Eltern sollten auch diesen Wunsch ernst nehmen und sich überlegen, wie sie ihn zumindest ein Stück weit wahrmachen können: Dann liegt unter dem Baum eben ein Brief vom Christkind, in dem es ankündigt, dass die Eltern einmal im Monat mit dem Kind einen Ponyhof besuchen werden.

Manche Familien können sich die größten Wünsche ihrer Kinder gar nicht leisten, es fehlt das Geld für Dinge, die andere wie selbstverständlich bekommen. Wie haben diese Familien dennoch ein schönes Weihnachten?

Selbst wenn nicht so viel Geld für Geschenke da ist, sollen sich Kinder geborgen fühlen. Da ist das Drumherum noch wichtiger: Familientraditionen, die Halt geben. Sei es, dass am Weihnachtstag Futter für die Tiere herausgebracht wird. Oder es wird gemeinsam gebacken oder gespielt. Die Krippe wird aufgestellt und Teelichter angezündet. Alle Eltern sollten sich überlegen, welche Rituale ihnen selbst früher wichtig waren - und auch, welchen neuen Brauch sie gerne weitergeben wollen.

Weihnachten ist das Fest der Liebe, Geborgenheit und Familie. Stehen die Geschenke zu sehr im Vordergrund?

Sie sind den Kindern natürlich sehr wichtig. Aber wenn Sie sich an Ihre Kindheit zurückerinnern, werden Ihnen die Familienbräuche einfallen und weniger die Präsente. Man denkt daran, wie alle zusammen den Baum nach Hause getragen und geschmückt haben. Wie alle beim Warten auf die Bescherung gesungen haben. Man denkt an das gemeinsam Erlebte, und dafür sollte man sich an Weihnachten bewusst Zeit nehmen und das auch genießen - und sich nicht davon stressen lassen, dass der Baum nicht perfekt und die Gans ein wenig knusperig ist. Wir sind an Weihnachten immer zur Großmutter aufs Land gefahren. Es war wunderbar an Heiligabend auf dem Dorf, alle haben sich in der Kirche getroffen und im Wohnzimmer knarzten die alten Dielen. Das war Weihnachten für mich.

Erinnern Sie sich auch noch an Ihr schönstes Geschenk?

Das war eine sehr kommerzielle Puppe namens Suse. Die konnte man an den Puppenwagen anstöpseln und einen Knopf drücken, dann hob sie die Arme und klimperte mit den Augen. Ich dachte, dass ich sie niemals bekommen würde. Denn meine Mutter fand diese Puppe so doof, dass ich überzeugt war, dass der Weihnachtsmann ihre Meinung teilte. Als Suse dann doch unter dem Baum lag, war ich glücklich.

Die Diplom-Psychologin Svenja Lüthge führt eine Praxis in Kiel, in der sie neben Einzel- und Paarberatung unter anderem auch Elterncoaching anbietet und Lösungsmöglichkeiten bei familiären Konfliktsituationen aufzeigt.

Fragen Sie ein Kind nicht, weshalb wir Weihnachten feiern. Es antwortet sowieso: wegen der Geschenke. Sein Wunschzettel ist lang, die Wünsche sind teuer. Und dann mischen sich auch noch die Großeltern ein. Die Erziehungskolumne.

© Süddeutsche.de/mrj/holz
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