bedeckt München 22°

Expertentipps zur Erziehung:Weihnachten ohne Streit

Das hat aber zur Folge, dass an den Feiertagen die manchmal weit entfernte Verwandtschaft abgeklappert wird, obwohl das vielen Eltern und Kindern eigentlich zu stressig ist und sie die Weihnachtstage lieber besinnlich verbringen würden. Wissen Sie eine Lösung?

Es ist sehr verständlich, dass die Großeltern ihre Enkel an Weihnachten erleben wollen. Das Fest hat ja mit Liebe zum anderen zu tun. Aber wenn es für Eltern so stressig wird, dass der Sinn des Weihnachtsfestes verloren geht, sollten da auch die Großeltern großzügig sein. Eine Lösung könnte sein, ein Treffen auf den Dreikönigstag zu verschieben und dann richtig gemütlich zu feiern. Das muss man aber richtig vorher durchsprechen, damit niemand gekränkt ist. Weihnachten an sich ist wie ein jährlicher psychologischer Test, wie gut wir miteinander reden und uns absprechen können.

Eine große Herausforderung.

Ja, das ist schon in einigermaßen harmonischen Familien nicht leicht und in Patchwork-Familien noch schwieriger. Diese müssen noch besser planen: Wie soll was wo stattfinden und wer wann an welchem Ort sein - und wie lange. Meist ist es nicht möglich, dass alle gemeinsam feiern. Oft hat ein Vater Kinder mit zwei Frauen. Da muss es für alle ganz klar sein, wie lange er bei der einen und wie lange bei der anderen Familie ist. Trotzdem besteht die Gefahr, dass der Vater zur "alten" Familie hetzt und dort in Gedanken gar nicht anwesend ist, was alle frustriert. Weil es bei Weihnachten so sehr um die Stimmung geht, getragen von Liebe und Freude, muss sich das der Vater nicht nur bewusst machen, sondern sich auch bewusst in diese Stimmung versetzen. Und die Mütter ebenfalls, damit es für die Kinder ein schönes Fest wird.

Hart bleibt es trotzdem, wenn der Vater wieder weiterzieht zur neuen Familie.

Es gibt keine perfekte Lösung, weder für Patchwork- noch für andere Familienkonstellationen. Das große Problem ist, dass viele Weihnachten nicht als Fest der Liebe sehen, sondern des Perfektionismus. Und wehe, es klappt irgendetwas nicht wie gewünscht. Doch jeder von uns muss nachgeben und Verständnis haben. Für alle Beteiligten.

Nun haben wir rechtzeitig geplant, uns abgesprochen, waren verständnisvoll - und trotzdem kommt es zum Streit. Wie ist Heiligabend noch zu retten?

Mit dem Retten ist das leider so eine Geschichte. Wenn die Leute wirklich heftig aufeinandergekracht sind, braucht es Zeit, bis sich die Gemüter wieder beruhigen. Das kommt leider häufig vor, da bräuchten wir eine Reset-Taste, nur die gibt es nicht. Man kann sich später wieder zusammensetzen, wenn sich der erste Zorn gelegt hat und versuchen, auf den Trümmern des Weihnachtsfestes vielleicht wieder zueinanderzufinden. Doch mit Gewalt lässt sich das nicht erzwingen, bloß weil Weihnachten ist. Dann ist es Zeit zu sagen: Morgen ist auch noch ein Tag.

Manfred Stelzig leitet als Chefarzt die psychosomatische Abteilung des Salzburger Universitätsklinikums. Als Ko-Autor hat er das Buch mitgeschrieben "Oh Tannentrauma: Wie Weihnachten wieder wundervoll wird".

Wer darf Weihnachten mit den Enkeln verbringen und welche Großeltern müssen bis zu den Feiertagen warten? Viele Eltern kennen das Problem. Warum also nicht mit allen Omas und Opas gemeinsam feiern? Das ist nicht immer eine gute Idee. Die Erziehungs-Kolumne.