bedeckt München 22°
vgwortpixel

Expertentipps zur Erziehung:Die Ablösung beginnt viel früher

Woran liegt das?

Das machen unbewusst eher Mütter, die das Kind in den Mittelpunkt ihres Lebens gestellt und darüber Partnerschaft und eigene Interessen vernachlässigt haben. Sie fragen sich, ob sie überhaupt noch gebraucht werden, wenn das Kind aus dem Haus ist. Also klagen sie darüber, immer noch die Wäsche machen zu müssen - und waschen trotzdem weiter.

Und halten damit das Kind klein?

Ja, dabei haben die Kinder ein Recht auf Selbständigkeit. Sie können immer mehr Pflichten im Haushalt übernehmen und sich durchaus mit 16 Jahren selbst um ihre Kleidung kümmern. Dann kommt das nicht mit 18 Jahren auf einen Schlag, sondern die Kinder wachsen in die Aufgaben hinein. Und so sollte es sein - auch wenn man in Deutschland oft als Rabenmutter gilt, wenn das Kind nicht immer im Zentrum steht und stattdessen auch noch bügeln soll. Aber ein Zwölfjähriger, der jeden Tag zur Schule gefahren wird, kennt sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht aus. Wie könnte man von ihm erwarten, dass er mit 18 Jahren erfolgreich auf eigenen Füßen steht? Lieber bleibt er im "Hotel Mama".

Eltern müssen also lernen, loszulassen?

Genau, kleine Abschiede gehören zur Entwicklung: Wenn das Kind nicht mehr gestillt werden muss, wenn es eingeschult wird und wenn es anfängt, abends wegzugehen und allein in den Urlaub zu fahren. Das stimmt Eltern mitunter wehmütig, weil eine Phase unwiederbringlich vorbei ist. Aber die Beziehung zwischen Eltern und Kind verändert sich ja nur, sie ist mit dem Auszug nicht beendet. Sie dauert ein Leben lang.

Die Pädagogin Dr. Heidemarie Arnhold ist Vorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung und engagiert sich seit 1979 in dem Verein, der unter anderem für seine Elternbriefe für die jeweiligen Entwicklungsschritte des Kindes bekannt ist und kostenlos bei Erziehungsproblemen berät.

Eltern lieben ihre Kinder, auch die erwachsenen. Doch das heißt noch lange nicht, dass sie auf ewig im selben Haus mit ihnen wohnen wollen. Oder dass sie das auch nur ansatzweise nervlich durchstehen würden. Die Erziehungs-Kolumne "Kinder - der ganz normale Wahnsinn"