Expertentipps zur Erziehung Neue Familie, neue Geschwister

Und wenn das Kind bei seiner Ablehnung bleibt?

Das könnte daran liegen, dass sich der neue Partner nur deshalb mit den Kindern beschäftigt, weil er der Mutter oder dem Vater gefallen will. Kinder merken, wie ernst es Erwachsene mit ihren Beziehungsangeboten meinen. Wer eigentlich nur den Elternteil will und die Kinder gar nicht dazu, sollte besser nicht einziehen, sondern sich auf Treffen an freien Abenden beschränken. Sonst geht das nicht gut.

Oft ist der neue Partner nicht allein, sondern hat selbst schon Kinder. Die eigenen werden plötzlich mit potenziellen "Stiefgeschwistern" konfrontiert.

Hier sollten sich die Eltern nicht zu viel einmischen und die Kinder selbst ihre Form des Miteinanders finden lassen. Sie können dafür Gelegenheiten schaffen, aber auch Rückzugsmöglichkeiten bieten - und die einzelnen Kinder mit ihren jeweiligen Bedürfnissen ernst nehmen. Wenn der Platz es zulässt, sollten auch nicht alle gleich in einem Kinderzimmer miteinander auskommen müssen. Aber die Beziehung zu den Stiefgeschwistern kann zu einer Bereicherung für das eigene Kind werden: Viele Kinder haben enge Beziehungen zu ihren Stief- oder Halbgeschwistern und profitieren ein Leben lang davon.

Das klingt sehr nach heiler Welt ...

Ob Kernfamilie, Stieffamilie oder Einelternfamilie, es ist ja nicht die Familienform, die bestimmt, ob ein Kind glücklich aufwächst. Sondern ob sich das Kind in der Familie entfalten kann, seine Bedürfnisse ernst genommen werden und die Beziehungen innerhalb der Familie intakt sind. Eine Patchworkfamilie besteht aus sehr vielen unterschiedlichen Beziehungen: zum neuen Partner, zu den eigenen Kindern, zu Stiefkindern, neuen Kindern, zum getrennten Elternteil und all denjenigen, die dort zur Familie gehören. Das ist ganz schön kompliziert, aber es kann auch eine Chance für alle sein.

Wie kann das gelingen?

Eltern sollten sehr bewusst darauf achten, dass kein Kind benachteiligt werden darf - selbst wenn nicht alle gleich gut miteinander auskommen, aber das müssen sie ja auch nicht. Dann ist diese erweiterte Familie durchaus eine Bereicherung für ein Kind. Wenn es sagt, "Die anderen sind so arm, die haben nur zwei Eltern. Ich aber habe vier!", dann weiß das neue Paar, es hat vieles richtig gemacht.

Monika Czernin ist Mediatorin und Familiencoach und hat gemeinsam mit Remo H. Largo (der Schweizer Kinderarzt ist auch Autor der Bestseller "Babyjahre" und "Kinderjahre") das Buch "Glückliche Scheidungskinder" verfasst. Sie lebt selbst nach einer Scheidung mit ihrer Tochter in einer Patchwork-Familie. Im Erziehungsratgeber auf Süddeutsche.de hat sie auch erklärt, worauf Eltern bei einer Trennung achten sollten, damit ihre Kinder ohne Trauma daraus hervorgehen.

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