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Expertentipps zur Erziehung:Wundermittel der Motivation

Nun reduziert nicht nur die Pubertät das Engagement für die Schule, sondern auch der Leistungsdruck, der viele Kinder belastet. Können Eltern an dieser Situation überhaupt etwas ändern?

Viele Studien besagen, dass der Leistungsdruck gestiegen ist. Da ist es wichtig, Kindern schon in der Grundschule zu zeigen, wie sie mit Stress umgehen können. Jüngere Schulkinder sprechen eher von Bauchschmerzen, weil sie nicht wissen können, dass ihnen zu großer Druck zu schaffen macht. Sind zum Beispiel zu viele Hausaufgaben die Ursache, sollten die Eltern etwas unternehmen und die Situation beim Lehrer ansprechen. So wird auch dem Kind vermittelt: Ein Problem darf nicht ignoriert werden, es kann gelöst werden, wenn man es angeht. Das Wissen, etwas tun zu können, reduziert auch schon Stress.

Was sorgt für Ausgleich?

Wenn sich ein sportliches Kind nach der Schule erst einmal eine halbe Stunde austoben will, wunderbar. Leider wollen gerade Jugendliche oft gar nicht rausgehen, sondern sich vor Computer oder Fernseher setzen. Sie haben subjektiv das Gefühl, abzuschalten, müssen sich aber trotzdem weiter konzentrieren. Dennoch sollten Eltern das nicht komplett verbieten, sondern einen Mittelweg finden, etwa die Zeiten begrenzen und auch darauf hinweisen, wenn diese Zeit herum ist. Übrigens sollten Erwachsene das "Chillen" der Jugendlichen gar nicht so belächeln.

Weshalb?

Weil Nichtstun eine gute Strategie ist, um zu entspannen. Und wenn sie dabei dauernd mit dem Handy kommunizieren, was ist daran so schlimm? Wir haben früher auch ewig telefoniert.

Wie motiviert man die Kinder, das Handy wieder wegzulegen und etwas für die Schule zu tun?

Den Jugendlichen muss bewusst werden, dass sie für sich selbst lernen, nicht für die Eltern. Dafür müssen sie wissen, was ihre Ziele sind - erst dann sind sie motiviert, diese erreichen zu wollen. Wer weiß, welchen Traumberuf er ausüben will, kann dann auch einschätzen, was er dafür in kleinen Etappen schaffen muss. Und diese kleinen Erfolge machen Spaß und sogar glücklich, das motiviert wiederum - und zwar von innen heraus und nicht von außen.

Aber etliche Teenager haben noch keine Ahnung, was sie später mal beruflich machen wollen.

Dann spielen Hobbys eine große Rolle, um zu lernen, dass es Ausdauer und Durchhaltevermögen braucht, um kleine und große Erfolge zu erreichen. Da darf man ein jüngeres Kind ruhig mehr ausprobieren lassen, es muss erst herausfinden, ob es eher sportlich, musisch oder künstlerisch veranlagt ist. Und ob der Gitarrenunterricht blöd ist oder nur der Musiklehrer. Wenn es dann ein Hobby gefunden hat, sollten es die Eltern unterstützen, auch Durststrecken durchzustehen.

Womit kann man Kinder und Jugendliche auf jeden Fall motivieren?

Es gibt zwei Wundermittel: Lob und Optimismus. Wettstreit beflügelt nicht jedes Kind. Und die Frage "Was haben denn die anderen in der Klasse für Noten?" mit einem negativen Vergleich fürs Kind frustriert eher. Besser sollten Eltern die individuellen Stärken des Kindes herausheben: "Der Stoff war sehr schwierig, aber du hast dich richtig toll reingehängt beim Lernen. Da bin ich stolz auf dich."

Und der Optimismus?

Generell ist im Leben und in der Erziehung eine optimistische Grundhaltung Gold wert. Manche Kinder merken gar nicht, wie negativ sie etwas sehen: "Das kann ich nicht, das schaffe ich nie." Wenn Eltern ihnen dabei helfen, die Dinge etwas optimistischer zu sehen, motiviert das ungemein: "Wenn du lernst und dir die Aufgaben noch mal erklären lässt, schaffst du das." Das Dumme ist, dass wir Menschen uns von negativen Erfahrungen viel länger und stärker beeinflussen lassen. Daher müssen wir uns die kleinen und größeren positiven Dinge umso bewusster machen, als Gegengewicht. Wenn Ihr Kind also etwas toll gemacht hat, reiten Sie ruhig ein bisschen auf dem Thema herum.

Die Pädagogin und Erziehungswissenschaftlerin Petra Buchwald ist Professorin am Institut für Bildungsforschung der Universität Wuppertal und Autorin unter anderem des Buches "Selbstbewusst ins Leben - Kinder und Jugendliche stärken, fördern und motivieren".

Leider steigen die Ansprüche an die Schüler genau dann an, wenn sie wegen der Pubertät eine eher geringe Motivation verspüren, sich so unwichtigen Dingen wie Lernen zu widmen. Und selbst wenn der Sohn plötzlich wieder sehr gerne zur Schule geht, hat das nicht unbedingt mit dem spannenden Geschichtsunterricht zu tun. Die Erziehungs-Kolumne "Kinder - der ganz normale Wahnsinn"

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