Expertentipps zur Erziehung Aufräumen zur rechten Zeit

Und wann ist der richtige Zeitpunkt, alles andere aufzuräumen?

Rituale helfen auch hier, etwa Aufräumen immer vor dem Abendessen. Die Abstände sollten jedenfalls nicht zu groß werden, damit nur wenig weggeräumt werden muss und das Kind ein schnelles Erfolgserlebnis hat - statt vor einem kaum zu bewältigenden Haufen zu kapitulieren. Und wenn Eltern darauf achten, dass etwa Brettspiele und Malsachen wieder an ihren Platz kommen, bevor das nächste Spiel herausgeholt wird, sammelt sich gar nicht so viel an. Dann kommt es noch auf das Wie der Aufforderung an. Wer im Vorbeigehen sagt, "Räum mal auf", dringt gar nicht durch: Das Kind ist im Spiel versunken, in seiner eigenen Welt. Das ist ein gutes Zeichen, weil es in der Lage ist, seine Aufmerksamkeit ganz auf eine Sache zu fokussieren. Aber der Fokus liegt eben nicht auf der Tatsache, dass gleich Besuch kommt und ein riesiges Durcheinander herrscht, sondern auf dem spannenden Spiel.

Wie dringt man durch, ohne gleich Druck zu machen?

Der Zauberschlüssel ist, erst die Aufmerksamkeit zu bekommen und dann das Anliegen vorzutragen. Also hingehen, sich auf Augenhöhe begeben und in die Welt des Kindes eintreten: "Du spielst aber schön mit den Zootieren." Wie gesagt, Kinder wollen in ihrem Tun gesehen und wertgeschätzt werden. Erst dann holen sich Eltern die Aufmerksamkeit, sie sollten Augenkontakt halten, und freundlich und konkret sagen: ": "Ich möchte, dass du die Bausteine aufsammelst und in ihre Kiste legst. Dann darfst Du weiter spielen." Generell sollte man positiv formulieren, was man will, und nicht über "ständige Unordnung" schimpfen. Das ändert nichts.

Und wenn die Unordnung tatsächlich ständig für Streit sorgt?

Das Gute an regelmäßigen Problemen ist: Sie kommen sowieso wieder, man muss sie also nicht sofort lösen. Wiederkehrende Konflikte besprechen Eltern und Kinder besser nicht in der akuten Situation, sondern in einem ruhigen Gespräch, in dem man gemeinsam eine Lösung findet. Etwa wenn das Kind nach der Schule jeden Tag seinen Ranzen einfach im Flur fallen lässt und dort vergisst. Vielleicht macht es das, weil es vor Durst an nichts anderes denken kann?

Jugendliche haben oft eine etwas höhere Schmerzgrenze für Unordnung. Wie sollten Eltern auf solche Zimmer reagieren?

Sind Eltern sehr ordentlich, ist ein besonders großes Durcheinander auch eine Abgrenzung, eine alternative Rolle wird ausprobiert - aber das ist nicht so schlimm, das gehört zur Pubertät. Eltern können darauf vertrauen, dass ihre Ordnungserziehung in den Jahren zuvor nicht spurlos an ihren Kindern vorübergegangen ist. Also können sich Eltern aus den Jugendzimmern raushalten, aber besprechen, dass die Gemeinschaftsräume in Ordnung gehalten werden.

Und wenn ein Teller mit Essensresten im Zimmer vor sich hingammelt?

Wenn es unhygienisch wird, kann man schon eingreifen. Autonomie zu gewähren, heißt ja nicht, alles zu erlauben und jedes Verhalten zu tolerieren. Damit zeigt man auch wichtige elterliche Präsenz. Das Gespräch darüber sollte aber wieder in einer ruhigen Situation stattfinden, wenn es beiden gut geht. Übrigens wollen auch Jugendliche gelobt werden. Und ist der Teenager zum Beispiel im Prüfungsstress gerade überfordert, können Eltern ruhig fragen, ob sie beim Aufräumen helfen sollen. Für jedes Alter gilt: Gemeinsam räumt es sich leichter auf, wenn Eltern zum Beispiel ebenfalls ihren Schreibtisch sortieren. Und nach dem geteilten Leid freuen sich Eltern und Kinder hinterher gemeinsam über die ordentliche Wohnung.

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Pädagogin Heidemarie Arnhold erklärt im Interview, wie Eltern ihre Kinder schon lange vor dem 18. Geburtstag auf den Auszug von zu Hause vorbereiten können. Und warum es an den Eltern liegen kann, wenn das Kind im "Hotel Mama" bleibt.   Von Katja Schnitzler

Psychologe Dr. Markus Schaer von der Ludwig-Maximilians-Universität München ist unter anderem im pädagogischen Verein Familienteam aktiv und leitet dort Erziehungskurse für Eltern.

Es soll ja Kinder geben, die räumen ihr Zimmer auf. Leider gehören die eigenen nicht dazu. Dafür beherrschen sie die Kunst des Spielzeug-Bergebaus und erreichen dabei ungeahnte Höhen. Bis sich die Eltern an den Gipfelsturm machen. Die Erziehungs-Kolumne "Kinder - der ganz normale Wahnsinn"