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Expertentipps zur Erziehung:So dringen Eltern auch zu älteren Kindern durch

Süddeutsche.de: Ältere Kinder haben andere Ansprüche als Kleinkinder. Wie sollte ein Gespräch zwischen Eltern und Schulkindern ablaufen?

Rieckenberg: Letztlich ist es das gleiche Prinzip: Regeln erklären und begründen sollte man schon bei kleinen Kindern. Je älter sie sind, desto mehr Entscheidungsspielraum wollen die Kinder haben, also sollten Eltern Alternativen in Aussicht stellen: Etwa abends beim Schlafengehen wählen lassen, ob das Kind lieber noch eine Viertelstunde spielt oder direkt ins Bett geht und noch etwas vorgelesen bekommt.

Süddeutsche.de: Jugendliche verweigern das Gespräch oft ganz. Wie halten Eltern die Kommunikation aufrecht?

Rieckenberg: Sie müssen überlegen, was ihre Kinder interessiert - und zwar in jedem Alter. Dort sollten sie Anknüpfungspunkte finden beziehungsweise Interesse zeigen. Allerdings nicht ausfragen, sonst fühlen sich die Jugendlichen kontrolliert. Dabei spielt die Vorbildfunktion eine wichtige Rolle, etwa wenn beim gemeinsamen Essen die Eltern auch von ihrem Tag erzählen.

Süddeutsche.de: Nun ist es eine Sache, mit Pubertierenden überhaupt im Gespräch zu bleiben, und eine andere, gezielt Probleme zu besprechen, zum Beispiel zu spätes Nachhausekommen ...

Rieckenberg: Solche Gespräche sollten nicht zwischen Tür und Angel stattfinden, sie sollten sich vielmehr Zeit nehmen und sich dafür verabreden. Dabei sollten zunächst die Eltern ihre Gedanken und Bedenken schildern, aber auch den Jugendlichen die Gelegenheit dazu geben. Dann erarbeitet man gemeinsam, wie die Eltern Sicherheit von den Jugendlichen bekommen, etwa dass sie rechtzeitig nachts heimkommen. Andererseits sollte auch besprochen werden, wie die Eltern die Jugendlichen in ihren Bedürfnissen unterstützen können, zum Beispiel indem sie sie im Wechsel mit den Eltern der Freunde nachts abholen. Zudem müssen die Eltern ihr eigenes Verhalten reflektieren: Wer selbst nicht pünktlich kommt, kann das auch nicht von seinen Kindern erwarten. Eltern können viel tun, dass Kinder kooperieren, indem sie Positives fördern, statt nur genervt auf Negatives zu reagieren. Selbst darauf zu achten, was gut läuft, und dann zu loben, ist weitaus befriedigender als falschem Verhalten hinterherzuschimpfen.

Süddeutsche.de: Nun haben die Eltern Regeln und Konsequenzen besprochen, haben gelobt und sind, wenn nötig, eingeschritten - trotzdem macht das Kind schon wieder dasselbe falsch. Was können Eltern jetzt noch tun?

Rieckenberg: Nach der Situation besprechen, was gut funktioniert hat - und was nächstes Mal anders werden soll. Überlegen Sie gemeinsam mit den Kindern, wie Sie das hinbekommen. Wer Kinder mit einbezieht, wird überrascht sein, was für gute Ideen sie haben.

Hier finden Sie die Erziehungskolumne "Kinder - der ganz normale Wahnsinn" zum Thema: "Tausendfache Raserei"