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Expertentipps zur Erziehung:"Gerade schwierige Kinder müssen Eltern auch loben"

Und wenn es das Geschwisterkind geschlagen hat?

Bei aggressivem Verhalten, bei sehr impulsiven und willensstarken Kindern wirkt eine Auszeit. Bei kleineren reicht es schon, dass sie kurz auf einem Stuhl sitzen müssen, in Sichtweite der Mutter. Ältere können auch aufs Zimmer und sich dort austoben, herumschreien dürfen sie dann auch. In Minuten soll die Auszeit nicht länger dauern, als ein Kind alt ist. In diesen Abständen sollten die Eltern nachfragen: "Ist alles wieder gut oder mache ich die Tür wieder zu?" Das Kind weiß dann, es entscheidet selbst mit seinem Verhalten, wann die Auszeit endet. Und es muss vorher die Regeln kennen, wann es mit einer Auszeit zu rechnen hat: Zum Beispiel, wenn es schlägt, beißt, tritt oder kratzt. Hat es sich beruhigt, sollten die Eltern es wieder mit offenen Armen empfangen und nicht weitermeckern. Und ganz bewusst darauf achten, ob sich das Kind nun gut verhält, und das loben, gerne schon nach 30 Sekunden.

Obwohl es sich eben noch unmöglich benommen hat?

Kinder im guten Verhalten zu bestärken, bringt unglaublich viel. Überhaupt ist das eine ganz wichtige Voraussetzung, dass Regeln befolgt werden: Kinder müssen immer wieder für ihre guten Seiten gelobt und mit ihren Schwächen und Fehlern angenommen werden. Regeln durchzusetzen, macht nur die eine Hälfte aus. Die andere ist, auf das Gute zu achten.

Das geht im Alltag aber oft unter. Fehlverhalten wird sofort bemerkt, braves Spielen hingegen nicht.

Das birgt die Gefahr, dass ein Kampf um Aufmerksamkeit entbrennt. Das Kind merkt, dass es beachtet wird, wenn es über die Stränge schlägt. Und die Eltern sind genervt und geben diesem Kind immer weniger spontane Zuwendung. Also verhält sich das Kind bewusst falsch, um wieder Aufmerksamkeit zu bekommen. Ein Teufelskreis, den nur die Eltern durchbrechen können. Beispielsweise, indem sie dann und wann sagen: "Ihr spielt so schön miteinander, da schaue ich richtig gerne zu."

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