Expertentipps zur Erziehung Wie reagieren Eltern auf "Doktorspiele" richtig?

Kinder entdecken nicht nur ihren eigenen Körper, sondern auch den der anderen. Wie reagieren Eltern richtig auf "Doktorspiele"?

Ob Eltern Doktorspiele dulden können, hängt sehr von ihrer eigenen sexuellen Haltung ab. Wem das zu weit geht, kann darauf bestehen, dass die Unterhosen angezogen bleiben. Dennoch sollten Eltern harmlose Doktorspiele nicht verbieten oder gar bestrafen, sondern einfach genau hinschauen und ruhig nachfragen, was die Kinder da machen. Den Kindern tut es gut, festzustellen: Ich bin völlig in Ordnung, das andere Mädchen ist genauso wie ich. Sie lernen, vorsichtig und respektvoll mit dem eigenen, aber auch mit dem anderen Körper umzugehen.

Also sollten die Eltern gelassen bleiben und die Kinder in Ruhe erforschen lassen?

Solange nicht diese drei Grenzen überschritten werden: Es dürfen keine Gegenstände in Körperöffnungen eingeführt werden. Die Kinder müssen beide etwa im gleichen Alter sein, es sollte also nicht der Fünfjährige mit der Zweijährigen in der Kuschelhöhle verschwinden. Und jedes Kind sollte das wollen, was es tut. Wenn einer zum anderen sagt: "Du musst jetzt meinen Penis anfassen", müssen Eltern aufmerksam werden.

Zum Thema Sexualität gehört auch Missbrauch: Wie können Eltern darüber aufklären, ohne die Kinder zu ängstigen?

Wenn Eltern mit Kindern über Körperkontakt und Sexualität reden, sollten sie auch über Gewalt und körperliche Übergriffe sprechen. Dabei sollten sie vorsichtig und behutsam vorgehen. Drei- bis Vierjährige verstehen, dass es Erwachsene oder ältere Kinder gibt, die kleine Kinder gern haben, sich aber nicht darum kümmern, was Kinder mögen oder wollen. Dies können auch Menschen sein, die das Kind kennt. Wichtig ist, dass die Eltern ihren Kindern vermitteln, dass sie unangenehme Berührungen zurückweisen dürfen. Dass ihr "Nein" erwünscht und erlaubt ist und dass ihre Gefühle wichtig sind und beachtet werden müssen. Und dass es belastende Geheimnisse gibt, die Kinder weitererzählen dürfen. Eltern sollten ihr Kind stets ermutigen, sich ihnen anzuvertrauen. Die Eltern wiederum brauchen den Mut, für das Thema Sexualität generell ansprechbar zu sein, so wie für alle anderen Themen auch. Damit ein Kind weiß, es kann den Eltern alles sagen. Und sich das im Ernstfall auch traut.

Die Diplom-Psychologin Helga Tolle schult unter anderem Erzieher aus Kindertagesstätten zum Thema "Kindliche Sexualität und Sexualerziehung" und gibt auch Kurse für Eltern.

Junge Eltern sollten sich schon früh Gedanken darüber machen, wie und wann sie ihr Kind aufklären wollen. Sonst kommt ihnen die Kindergärtnerin zuvor. Die Erziehungs-Kolumne.