Expertentipps zur Erziehung Aus der Trauer herausfinden

Kinder suchen die Schuld oft bei sich, sei es bei der Trennung der Eltern oder auch im Todesfall. Wie können Eltern das verhindern?

Am besten erklären sie möglichst kindgerecht, warum jemand gestorben ist, um das für die Kinder ein wenig nachvollziehbarer zu machen. Sonst besteht die Gefahr, dass sich das Kind eigene Erklärungen zusammenreimt, die möglicherweise Fehlinterpretationen sind.

Wie stark beeinflusst es Kinder, ihre Mütter und Väter trauern zu sehen?

Kinder orientieren sich mehr an ihren Eltern als wir denken. Deshalb sollten diese ihre Emotionen durchaus zeigen und erklären, damit das Kind lernt, dass unangenehme Gefühle in Ordnung und Teil des Lebens sind. Wer aber merkt, dass er Hilfe - etwa die einer Trauerbegleitung oder eines Psychologen - braucht, sollte sie sich auch im Hinblick auf die Kinder holen. Denn der Trauerprozess muss zwar durchlaufen werden, aber es ist wichtig, nach Ablauf einer angemessenen Zeit wieder aus der Trauer herauszukommen. Ist ein sehr enger Angehöriger gestorben, gab es früher das Trauerjahr, und diese Zeit darf man sich schon zugestehen. Aber nach etwa sechs Monaten sollte es doch wieder spürbar bergauf gehen.

Und falls die Kinder nicht mehr aus der Trauer herausfinden?

Wenn Kinder ihre Einsamkeit und Wut in sich hineinfressen und sprachlos sind, hat das eine gewisse Zeit lang seine Berechtigung. Aber für uns Eltern ist es wichtig, darauf zu achten, ob die Traurigkeit noch ein normaler, nachvollziehbarer Teil der Trauerphase ist oder ob es sich eventuell um eine Depression handelt, unter der ja auch Kinder leiden können. Dann sollte sich die Familie professionelle Hilfe holen.

Kinder trauern nicht nur, wenn Menschen sterben, sondern sind auch zutiefst unglücklich, wenn zum Beispiel ihr geliebtes Haustier tot ist.

In diesem Fall tun Eltern dies nicht mit einem "Das war doch nur ein Tier, wir kaufen dir ein neues" ab, sondern nehmen die Emotionen ernst. Sonst fühlen sich die Kinder alleingelassen. Auch hier helfen Rituale: Wenn möglich, kann das Tier feierlich begraben werden. Und mit dem Kind könnte man besprechen, wie das Tier in Erinnerung bleiben kann. In solch schweren Zeiten haben Eltern die Chance, ihr Kind besser kennenzulernen und ihre Beziehung zu vertiefen, indem sie da sind, ihm zuhören und es im Prozess begleiten - das heißt auch, immer wieder etwas mit dem Kind zu unternehmen, das ihm trotz aller Trauer Freude macht.

Das gilt für alle Verluste und Trennungen, seien es Todesfälle oder Freundschaften, die zu Bruch gehen. In solchen Situationen sind wir traurig und das ist völlig normal - genauso, wie darüber zu sprechen und sich zu unterstützen.

Die ehemalige Gymnasiallehrerin und Manager-Trainerin Trudi Kühn ist Mitherausgeberin des Erziehungstrainings STEP (Systematic Training for Effective Parenting) in Deutschland, Österreich, Luxemburg, Belgien und in der deutschsprachigen Schweiz. Die Kurse sollen Eltern, Erziehern und Lehrern zu mehr Gelassenheit im Alltag verhelfen.

Früher oder später tritt der Tod in das Leben einer jeden Familie und wirft bei den Kindern eine Menge Fragen auf: Wie kommt die Seele in den Himmel? Gibt es einen oder mehrere Himmel für Menschen und Tiere? Und sieht die Oma ihre Enkel, wenn Wolken die Sicht verdecken? Da fehlen Eltern oft die Worte. Die Erziehungs-Kolumne.

Erziehung: Kleinkind "Eltern müssen Gefühle der Kinder ernst nehmen"
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"Eltern müssen Gefühle der Kinder ernst nehmen"

Die Mutter kauft zwar die Schokolade, aber das Kind darf sie nicht sofort aufessen - für Zweijährige ein Grund, aus der Haut zu fahren. Ihnen zu erklären, dass das doch nicht so schlimm ist, hilft gar nichts. Entwicklungspsychologe Hartmut Kasten erklärt, wie Eltern besser auf Gefühlsausbrüche ihrer Kinder reagieren.   Von Katja Schnitzler