Europa Empört euch? Das reicht fast nie. Besser ist: Tut was!

Man darf Medienresonanz nicht mit Stärke verwechseln. Die Statistiken sagen, dass in Italien die Zahl derer, die auf Europa setzen, am höchsten (76 Prozent) und in Großbritannien am niedrigsten ist (20 Prozent) . Aber sie sagen vor allem: Insgesamt 42 Prozent der Menschen in der Europäischen Union sind ganz eindeutig für Europa.

Mit 42 Prozent gewinnt man Wahlen. Das sind 200 Millionen Menschen. Eine gewaltige, schweigende Mehrheit, die mit dem Schweigen jetzt mal langsam aufhören und anfangen sollte, sich zu verbinden und zu vernetzen in einer starken pro-europäischen Bürgerbewegung.

Wahrscheinlich ruft spätestens an dieser Stelle einer der Freunde unter der pazifikzentrierten Weltkarte: Partei gründen! Man müsste eine Partei gründen: die europaweite Pro-Europa-Partei, mit einem einheitlichen europäischen Programm und einem Namen in allen Ländern. "Pro Europa" wäre, wie einst die Grünen, solange eine klassische Ein-Programmpunkt-Partei, bis andere Parteien Europa wieder ernsthaft, solidarisch und leidenschaftlich auf ihrer Agenda haben.

Spielen wir das doch mal durch: Die Gründung einer Partei geht, wie man bei den neuen Populisten sehen konnte, heute tatsächlich sehr viel einfacher als früher, das funktioniert wahrscheinlich sogar europaweit. Als Erstes müssten die proeuropäischen Initiativen und Bürger sich untereinander verbinden und vernetzen. Dafür ist das Netz ja da. Es gibt in jedem europäischen Land Plattformen wie "Pro-Europa" oder "Engagierte Europäer", die man klug verlinken und für Aktionen bündeln kann. Warum sollen aufgeklärte Europäer des 21. Jahrhunderts nicht so virtuos die Mittel der Kommunikationstechnik und des Crowdfunding bedienen können wie die Nationalpopulisten, die Daesh-Terroristen oder Putins Propaganda-Trolls? Gemeinsam und mit gewaltigem Stimmpotenzial könnte man Petitionen formulieren, Parlament, Kommission und die eigene nationale Regierung für Europa unter Druck setzen.

Im Jahr 1914 gab es kein Facebook und kein Twitter, mit dem die Bürger Europas ihre schlafwandelnden Staatsoberhäupter hätten wachrütteln können. Heute kann man mit wenig viraler Technik aus dem, was schon da ist, eine große Pro-Europa-Bewegung machen. "Don't touch my Schengen" der "Young European Federalists" ist schon mal ein sehr guter Anfang. Bei Yanis Varoufakis' "Democracy in Europe Movement - 2025" kann man genauer hinsehen und abwarten, ob vielleicht tatsächlich mehr und Besseres daraus werden kann als eine kurze linkspopulistische Post-Syriza-Show.