Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl:"Kraftorte" und "beseelte Pflanzen"

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Über das Netz tauscht er sich mit Kritikern und Fans aus. Unter den Fans sind Esoteriker, die an Naturgeister glauben, unter den Kritikern Naturwissenschaftler, die nichts von "Kraftorten" und "beseelten Pflanzen" halten. "Nur weil Pflanzen keine Hirne haben, heißt das nicht, dass sie keine intelligenten Wesen sein können", sagt Wolf-Dieter Storl. "Es scheint so, dass sie auf unsere Gedanken und Gefühle reagieren", behauptet er, "ich habe das selbst lange für Aberglaube gehalten."

Aus streng naturwissenschaftlicher Sicht ist das ziemlich fragwürdig. Als Ethnobiologe hat Storl einen anderen, alternativen Blick auf die Natur: Senden Bäume und Blumen nicht auf biochemischem Weg Informationen aus? Und ist das nicht auch eine Art von Kommunikation? "Die Welt hat mehr Dimensionen als das Mess- und Beweisbare", gibt er zu bedenken.

Rein rational betrachtet ist es auch Unsinn, in 1000 Meter Höhe einen Bio-Selbstversorgerhof zu betreiben. Trotzdem stellt man beim Besuch im Spätsommer fest: Das Experiment trägt reichlich Früchte. Rote Bete, Schwarzwurzeln, Kartoffeln, Zuckermais, Kohl, Karotten, dazwischen Blumen, Stauden und Gräser, die andere Leute als Unkraut ausreißen würden. Die vielen Blüten locken Insekten an: Bienen, Schmetterlinge, Hummeln und Käfer schwirren durch den Garten, sie bestäuben die Pflanzen und fressen Schädlinge.

Apropos, was unternimmt Bio-Gärtner Storl, der konsequent auf Gift verzichtet, gegen Schnecken? "Ich sammele sie ein und trage sie in den Wald." Wirklich? Weil auch Schnecken eine Seele haben? Und was ist dann mit der armen, angenagten Zucchini-Seele? Wolf-Dieter Storl kratzt sich an den Dreadlocks und sagt grinsend: "Na gut, ich gebe zu, wenn ich schlecht drauf bin, schmeiße ich sie in die Jauchegrube."

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