In Deutschland dürfte man sich vor allem aus zwei Gründen für Essstäbchen interessieren: Die Befürworter des "asiatischen Bestecks" weisen gern darauf hin, dass sein Gebrauch im Ruf steht, die frühkindliche Intelligenz zu fördern.

Sicher ein guter Gedanke; besonders für Eltern, die nichts dagegen haben, wenn ein paar neue Synapsen dadurch erarbeitet werden, dass jemand zweimal täglich Glasnudeln oder gebratenen Reis quer durch die Küche verteilt.
Die Stäbchen-Gegner indes mahnen, dass allein für die Produktion chinesischer Einwegpaare (45 Milliarden) pro Jahr 25 Millionen Bäume gefällt werden. Auch das ist völlig richtig; nur wird leider oft vergessen, dass der Ikea-Esstisch einfach der falsche Ort für eine Diskussion darüber ist.
Es bleibt also nur die technisch-kulinarische Auseinandersetzung, und auch im richtigen Umgang mit den Stäbchen finden sich zwei Lager: Man kann zum Beispiel auf dem Standpunkt stehen, dass sich nur schwer allgemeingültige Regeln für Handhabe oder Tischmanieren formulieren lassen, dafür sind Essstäbchen in zu vielen Ländern in Gebrauch. In dem Fall gilt: Alles vermeiden, was man mit sonstigem Besteck auch nicht täte (Linien in die Soße zeichnen, auf andere Gäste zeigen, sich am Kopf kratzen) und dann tapfer balancierend auf die Nachsicht des Gegenübers hoffen.
Wer es dagegen sehr genau nimmt mit der Etikette, darf sich auf ein kleines Studium gefasst machen: In China bitte nicht mit den Stäbchen zu laut gegen den Schüsselrand stoßen, ein solches Geräusch machen nur Bettler. In Japan die Stäbchen nicht kreuzen, wenn man sie auf den Tisch legt, das symbolisiert den Tod.
In Taiwan die Stäbchen nach dem Essen nie auf dem Schüsselrand ablegen, auf dem Boden ist erlaubt. In Korea und Vietnam sollte man für Reis zum Löffel greifen, in China wird er auch mit den Stäbchen in den Mund geschoben.
Diese Liste ließe sich fast beliebig lang fortführen. Wem es jetzt schon reicht, der darf im Asia-Lokal übrigens gern zu Messer und Gabel greifen.