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Essay über Sonnenverweigerung:Gute Sonne, böse Sonne

UKRAINE. Yalta. Black Sea. Yalta Beach. 1995.

Von krebsrot bis dunkelbraun: Der britische Fotograf Martin Parr interessiert sich seit jeher für die Verhaltensweisen von Freizeithedonisten - hier in Jalta auf der Krim.

(Foto: Martin Parr/Magnum Photos)

Während Sonnenbaden früher ein großes Freiheitsversprechen war, gilt es heute eher als hirnverbrannt. Die "gesunde Bräune" ist out, jeder muss seine Haut retten. Über die neue Lust an der Blässe.

Wenn die Erinnerung nicht trügt, dann hatten wir eine glückliche, sonnige Kindheit, mit Sommern, an die man sehnsuchtsvoll zurückdenkt. Tief gebräunt lagen wir mit der Familie in Südfrankreich oder mit Freunden am Mittelmeerersatz, dem Konstanzer Hörnle, einer Perle des Bodensees. Es roch nach dem leicht ranzigen, schon etwas älteren Tiroler Nussöl, das von September bis April im Medizinschrank gelagert wurde, nach Pommes frites und dem bei 30 Grad schon leicht gedehnten Kunststoff der ganz sicher nicht von der Stiftung Warentest empfohlenen Schlauchboote, auf denen man stundenlang auf dem Wasser trieb. Der Duft des Sommers war das eine, das andere waren die Farben: Weiß, Rot und Grün, wie das Dolomiti-Eis, dazu kam noch das Blau des Himmels und das Orange der Badehosen.

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