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Erziehungsfragen:Soll ich Hörspiele verbieten?

Lebensqualität von Kindern in Deutschland

Ganz versunken: Ein Kind mit Kopfhörern.

(Foto: dpa)

Mit Hörspielen verschwinden manche Kinder in ihrer eigenen Welt - manchmal stunden- und tagelang. Ist das schlimm? Drei Experten antworten.

Ein Leser fragt:

Meine Tochter (6) hört gerne Hörspiele, gerade bei Regen stunden- und sogar tagelang. Ich biete meinen Kindern viele Spiele und einen Garten, sie hingegen würde am liebsten nur herumlümmeln. Soll ich es mit Hörspielen ähnlich handhaben wie mit Fernsehen, das es bei uns nur einmal in der Woche gibt? Schließlich ist sie gerade in die Schule gekommen.

Katharina D., Augsburg

Experten antworten:

Kirsten Boie

Kirsten Boie ist Schriftstellerin und Autorin von mehr als hundert Kinder- und Jugendbüchern, darunter die allseits bekannten und geliebten Geschichten "aus dem Möwenweg" oder die Abenteuer des kleinen "Ritter Trenk".

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Kirsten Boie: Warum taucht Ihre Tochter ab?

"Herumlümmeln" ist so ein negativer Begriff. Wahrscheinlich träumt Ihre Tochter sich weg, in die Welt der Geschichten - und natürlich sollte sie auch in ihrer eigenen wirklichen Wirklichkeit leben, mit Freunden spielen, Spaß haben, Konflikte austragen. Gibt es vielleicht Gründe, warum Ihre Tochter so gerne aus ihrer Wirklichkeit abtaucht? Oder sind die Geschichten einfach nur interessanter als ihr Leben?

In jedem Fall: Auch durch die Geschichten setzt sie sich ja mit allen möglichen Lebensthemen auseinander. Zudem sind Hörbücher meiner Meinung nach eine ganz tolle Möglichkeit, Kinder auf Fähigkeiten vorzubereiten, die sie später beim Lesen brauchen: Sie hören nur einen Text ohne Bilder zu sehen. Die Bilder, Gefühle, Gedanken, kurz: die ganze Welt der Geschichte muss, anders als beim Film oder im Fernsehen, ganz allein auf der Grundlage von Sprache im Kopf des Kindes selbst entstehen.

Das ist eine Fähigkeit, die vielen Kindern heute fehlt. Ihre Tochter wird sie bereits entwickelt haben; insofern hilft das viele Hören ihr vielleicht später sogar indirekt in der Schule. (Und wenn sie dann noch eine begeisterte Leserin würde, freut mich das als Kinderbuchautorin natürlich!) Aber wenn es Ihnen wirklich zu viel wird mit dem "Herumlümmeln": Scheuchen Sie Ihre Tochter zwischendurch gnadenlos an die frische Luft.