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Erziehung und Zufriedenheit:Kinder wollen gehört werden

Was wünschen sich Kinder am meisten?

Gerade im schulischen Bereich wollen Kinder eine faire und gerechte Beurteilung. Vor allem aber wünschen sie sich, dass man ihnen zuhört und versucht, sie zu verstehen. Dass man bereit ist, in ihre Welt zu gehen und nachzuvollziehen, wie sie die Dinge sehen. Das heißt nicht, dass sie alles entscheiden sollen. Es geht darum, dass sie gehört werden. In manchen Schulen gibt es mittlerweile Kinderparlamente, in denen die Mädchen und Jungs die Erfahrung machen: Du hast eine Stimme, du wirst wahrgenommen.

Elisabeth Raffauf

Diplompsychologin Elisabeth Raffauf.

Das vorherrschende Gefühl vieler Eltern ist die Sorge um ihr Kind. Wie wichtig sind Freiräume?

Kinder brauchen ihren eigenen Bereich, in den sich niemand einmischt - und wenn es nur eine Schublade, ein eigener Tisch oder eine Wand ist. Auch in dem, was sie tun, sollten sie sich in einem bestimmten Rahmen frei bewegen können, ohne elterliche Überwachung.

Wann empfinden Kinder Kontrolle als belastend?

Wenn sie nicht aus Anteilnahme erfolgt. Viele Eltern wundern sich, dass sie auf die Frage "Na, wie war's in der Schule?" immer nur eine einsilbige Antwort erhalten. Doch das Kind spürt genau: Mama will eigentlich nur wissen, ob ich die Arbeit zurückgekriegt habe. Daher sollte man sich erst einmal selbst überprüfen, warum man die Kontrolle möchte. Und andernfalls klar kommunizieren, was man wirklich wissen will. Oft erfolgt die Kontrolle auch als Ersatz für Zuwendung, aus schlechtem Gewissen, weil Eltern nicht genug Zeit haben oder arbeiten müssen. Sicher sollten Eltern wissen, wo ihr Kind ist. Aber sie können nicht eine ständige Verfügbarkeit erwarten. Kinder dürfen Geheimnisse haben und ein gewisses Maß an Freiheit genießen. Das ist nicht nur ein Zeichen für elterliches Vertrauen, es stärkt auch das Selbstvertrauen des Kindes.

Welche Auswirkungen kann zu viel Kontrolle haben?

Das Kind kann kein Gefühl für die eigene Selbstwirksamkeit entwickeln. Bei vielen Zwangskrankheiten wie zum Beispiel Magersucht stellt man bei den Betroffenen im Nachhinein fest, dass sie als Kind zu stark kontrolliert wurden - und deshalb dazu übergegangen sind, wenigstens über ihren eigenen Körper zu bestimmen.

Dabei wollen die meisten Eltern nur das Allerbeste für ihr Kind.

Ich glaube, dem liegt ein Missverständnis zugrunde: Optimieren hat nichts mit Kinderliebe zu tun. Wenn Erwachsene ihr Hauptaugenmerk darauf richten, dass das Kind in die Spur kommt, geht die Fürsorge in die falsche Richtung.

Welchen Einfluss haben Eltern überhaupt darauf, ob aus den eigenen Kindern glückliche Menschen werden?

Als Mutter oder Vater hat man nicht alles in der Hand. Kinder bringen natürlich auch Anlagen mit auf die Welt. Man kann jedoch viel dazu beitragen, indem man ein Vertrauensverhältnis aufbaut und ihm das Gefühl vermittelt, dass man es nimmt, wie es ist. Aber auch kleine Dinge machen glücklich, zum Beispiel gemeinsame Rituale oder einfach mal miteinander lachen. Eltern müssen nicht alles richtig machen, sie dürfen Schwächen haben und zwischendurch sogar richtige Kotzbrocken sein. Aber sie sollten greifbar sein und ihre Liebe nie in Frage stellen, auch nicht in schwierigen Situationen. Das Gefühl "Ich werde geliebt" ist total wichtig.

© SZ.de/leja/segi

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