Ernährungsreport 2019 Fleischesserland Deutschland?

Kantinenessen: Eine Mehrheit der Deutschen konsumiert regelmäßig, aber längst nicht täglich Fleisch.

(Foto: imago/photothek)

Die von Verbraucherministerin Klöckner vorgestellten Zahlen zum Essverhalten der Deutschen lassen ein Klischee bröckeln. Ein nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln lässt sich aber nicht erkennen.

Von Moritz Geier

Wurst, Schinken und Schnitzel, das alles täglich und in großen Mengen - jahrzehntelang schlug sich die Vorliebe für Fleisch auf den meisten deutschen Speisezetteln nieder. Doch selbst hartnäckige nationale Ernährungsgewohnheiten können sich ändern, zumindest in kleinen Schritten, das legt zumindest der Ernährungsreport 2019 nahe, den das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft am Mittwoch vorgestellt hat. Demnach verzehrt bloß etwas mehr als ein Viertel der Deutschen jeden Tag Fleisch- oder Wurstwaren (28 Prozent). Im Ernährungsreport 2018 waren es 30 Prozent, 2017 noch 34 Prozent. Immerhin 71 Prozent essen dagegen täglich Obst und Gemüse, 64 Prozent wollen zudem an keinem Tag der Woche auf Milchprodukte wie Joghurt und Käse verzichten. Die Zahlen, Ergebnisse einer jährlichen repräsentativen Umfrage unter 1000 Verbraucherinnen und Verbrauchern, präsentierten Bundesernährungsministerin Julia Klöckner und Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner in Berlin.

Ein Land, in dem Nachhaltigkeit bei der Ernährung eine extrem ausgeprägte Rolle spielt, ist Deutschland damit allerdings noch lange nicht. Auch das belegen ein paar Zahlen im diesjährigen Ernährungsreport. Nur sechs Prozent aller Deutschen sind demnach Vegetarier, nur ein Prozent ernährt sich vegan. Zwar finden 91 Prozent der Befragten, dass Ernährung vor allem gesund sein soll, vergleichsweise gering erscheint da die Zahl der Befragten, denen eine artgerechte Tierhaltung am Herzen liegt (70 Prozent), ein schonender Umgang mit den natürlichen Ressourcen (68 Prozent), eine umweltschonende Produktion (54 Prozent) oder die Reduzierung schädlicher Emissionen (37 Prozent).

Die Deutschen gehen gerne einkaufen - Männer wie Frauen

Ein gutes Zeichen für eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung: Die Mehrheit der Deutschen, 74 Prozent, kocht gerne. Vielen allerdings kommt laut Report der Alltag in die Quere. 40 Prozent kochen demnach täglich, 37 Prozent zwei- bis dreimal pro Woche, acht Prozent nur einmal in der Woche, zehn Prozent nie. Was die Verfasser zudem als gutes Zeichen hervorheben: Die Deutschen, schreiben sie, "gehen gerne einkaufen". 69 Prozent der Befragten gingen demnach "mindestens mehrmals" pro Woche in den Supermarkt. Dagegen hätten sich nur neun Prozent Lebensmittel im vergangenen Jahr nach Hause liefern lassen.

Im Zusammenhang mit dem Einkaufsverhalten steht auch, wie viel weggeworfen wird. Noch immer ist bedenklich, dass eine große Menge an Lebensmitteln in deutschen Mülltonnen landet, 55 Kilo sind es jährlich pro Kopf. Offenbar kaufen viele Menschen mehr ein als sie tatsächlich verbrauchen. Bei 37 Prozent der weggeworfenen Lebensmittel handelt es sich um unverarbeitetes Obst und Gemüse, bei 16 Prozent um Backwaren.

In dem Report stellen die Verfasser auch ein paar Klischees oder voreilige Vermutungen auf die Probe. Stimmt es zum Beispiel, dass Frauen kalorienbewusster sind? Ja, lautet die Antwort der Verfasser, 41 Prozent der Frauen achten demnach darauf, nicht zu viel Kalorien zu sich zu nehmen. Dass es hierzulande viele Vegetarier gebe, stimme (siehe sechs Prozent) dagegen eher nicht. Ein anderes Klischee scheint dagegen weiter zu gelten: Das Lieblingsgericht der Deutschen ist, weniger Fleischkonsum hin oder her, das Schnitzel.

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