Ernährung:Besser das Rauchen bleiben lassen

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Dabei hatte die Internationale Krebsforschungsagentur IARC die Beweiskraft dafür, dass Obst und Gemüse Tumore verhindern können, schon 2003 als "begrenzt" bewertet. Der World Cancer Research Fund, ein weltweites Netzwerk der nationalen Krebsgesellschaften, hatte 1997 die Beweislage für die schützende Wirkung noch als "überzeugend" bezeichnet. 2007 stufte auch diese Organisation ihre Einschätzung zurück.

"Die Ergebnisse aus den frühen, methodisch oft schwachen Untersuchungen wurden viel zu optimistisch interpretiert", schreibt der Ernährungsexperte Walter Willett von der Universität Harvard in einem begleitenden Kommentar. "Die marginalen Effekte auf die Krebsvorbeugung, die wir in den neuen, gründlichen Studien sehen, würden allein keinen Aufruf zu einer Ernährung mit mehr Obst und Gemüse rechtfertigen."

So habe sich in der Vielzahl der Untersuchungen auch kein Obst und Gemüse besonders hervorgetan. Am vielversprechendsten sei es Willett zufolge vermutlich, weiter zu analysieren, ob Tomaten und andere Lycopen-haltige Pflanzen Männer eventuell doch ein wenig vor Prostatakrebs schützen. Die bisherigen Daten dazu seien aber sehr vorläufig.

Dass es dennoch gesund ist, mehr Obst und Gemüse als fettes Fleisch zu essen, bezweifeln Wissenschaftler inzwischen nicht mehr. Diese Form der Ernährung schont das Klima und die Blutgefäße, zögert sowohl die Erderwärmung als auch den vorzeitigen Herztod heraus. In der aktuellen Untersuchung erlitten aus der Gruppe derjenigen, die mindestens fünfmal am Tag Obst oder Gemüse aßen, 30 Prozent weniger Teilnehmer einen Herzinfarkt oder Schlaganfall als jene, die nur ein- oder zweimal am Tag Frisches zu sich nahmen.

Den Blutdruck senkt eine Kost mit vielen pflanzlichen Anteilen ebenfalls. Dick wird man mit einer hauptsächlich auf Obst und Gemüse beruhenden Diät auch nicht so schnell. Wer aber damit rechnet, mit Äpfeln, Broccoli, Rot- oder Rosenkohl gleichzeitig einen Tumorschutz zu sich zu nehmen, hat sich getäuscht. "Wer Krebs verhindern will, sollte lieber das Rauchen aufhören und starkes Übergewicht vermeiden", rät Walter Willett.

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