Erika Berger Mutti, er will nicht mehr

Die Sendung "Eine Chance für die Liebe" bot Voyeurismus für alle: Erika Berger, die erste Sexratgeberin des deutschen Fernsehens, wird 70.

Von Claudia Tieschky

Erika Berger war in vieler Hinsicht eine verwirrende Erscheinung, als sie im Februar 1987 bei RTL plus mit ihrer Livesendung Eine Chance für die Liebe startete. Sehr damenhaft mit ihren 47 Jahren, mütterlich streng, die attraktiven Beine immer artig übereinandergelegt.

"Sprechpuppe mit dem Appeal der Fünzigerjahre": Erika Berger in ihrer Sendung "Eine Chance für die Liebe".

(Foto: Foto: AP)

Aber was sie sagte, klang immer auch ein bisschen schmutzig und ein bisschen geil. Das war ihr Markenzeichen, und es passte prima zu den Anfangsjahren des Privatfernsehens, das seiner Sexfachkraft in der Ratgebersendung auch noch neckisch einen Telefonhörer in die Hand gab und Rotlicht einsetzte.

"Sprechpuppe mit dem Appeal der fünfziger Jahre" wurde sie von bösen Kritikern genannt, und noch heute sind viele Männer von ihr begeistert. Später gab Erika Berger zu, wie verlegen sie anfangs gewesen sei, wenn sie von Penisgrößen, Erektionsproblemen oder Oralsex sprach. Angemerkt hat man das ihren anatomisch deutlichen Ratschlägen nicht, so wurde die Moderatorin, die als Journalistin für Bild und Quick gewirkt hatte, bei RTL plus zu Miss G-Punkt aufgebaut.

Mit dem Stil von Aufklärern wie "Dr. Ruth" Westheimer oder Oswalt Kolle wollte diese Sendung eher wenig zu tun haben. Aber auch Erika Berger hielt Sex für eine ernste Sache, die ein Trainingsziel und sehr viele Gespräche über die Beziehung erforderte; es waren die achtziger Jahre.

Vor allem in den Anfangszeiten brachte die Sendung nachts um elf gute Quoten für RTL. Viel wichtiger für das Fernsehen war aber vermutlich, dass Berger rückblickend die Urmutter jenes TV-Genres gewesen ist, das heute Super-Nannys und Schuldenberater hervorbringt: Bei Erotik-Erika gab es Lebenshilfe im Intimbereich vor der gesamten Fernsehöffentlichkeit und Voyeurismus für alle.

Auch über kalkulierten Tabubruch haben die privaten TV-Strategen damals sicher viel gelernt. 1989 musste Berger einigen erregten bayerischen Medienwächtern ihre Programminhalte erklären. 1992 ermittelte die Staatsanwaltschaft unter großer medialer Anteilnahme wegen Verdachts der Aufforderung zu einer Straftat: Die Moderatorin habe in ihrer Nachfolgesendung Der flotte Dreier zu exhibitionistischen Handlungen aufgefordert. Da hatte sie ihren Höhepunkt im TV schon hinter sich.

Später hat Erika Berger sich als Beraterin im Internet und auf dem Gebiet der Horoskope betätigt, sie trat bei Big Brother auf und schrieb Bücher, zuletzt über die Liebe im Alter. An diesem Donnerstag wird Erika Berger 70 Jahre alt. Ihre Beine sind immer noch sensationell.

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