Ergebnisse der Verzehrstudie Bildung macht schlank

Gebildete essen besser. Die erste bundesweite Verzehrstudie zeigt: Schulabschluss und Haushaltseinkommen wirken sich stark auf Ernährungsverhalten und Gewicht aus.

Von Werner Bartens

Menschen mit geringer Bildung sind im Durchschnitt deutlich dicker als Menschen mit höherem Bildungsgrad. Das zeigt die erste bundesweite Verzehrstudie, die am Mittwoch von Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) in Berlin vorgestellt wurde. Niedriger sozialer Status erhöht das Risiko für Übergewicht.

Belesene leben gesünder und bleiben schlanker, heißt es.

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In der Untersuchung wurden bundesweit 20000 Menschen im Alter zwischen 14 und 80 Jahren in 500 Gemeinden zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Auffällig war, wie stark sich ein niedriges Haushaltseinkommen, geringere Bildung und damit die Zugehörigkeit zu unteren sozialen Schichten auf das Gewicht auswirkten.

Unter den Männern mit Hauptschulabschluss waren fast 75 Prozent übergewichtig oder sogar fettsüchtig. Männer mit Abitur fielen hingegen nur zu knapp 55 Prozent in diese Gewichtsklasse. Bei den Frauen war der Unterschied noch gravierender: Während nahezu 66 Prozent der Teilnehmerinnen mit Hauptschulabschluss übergewichtig oder festtsüchtig waren, betrug der entsprechende Anteil unter den Frauen mit Abitur nur knapp 31 Prozent.

Ähnlich stark wie die Bildung beeinflusst auch das Haushaltseinkommen das Gewicht. Der niedrigste Anteil stark übergewichtiger, das heißt fettsüchtiger Frauen und Männer findet sich in Haushalten, in denen das Pro-Kopf-Nettoeinkommen über 2000 Euro liegt.

Wer weniger zur Verfügung hat, ist dicker - mit der Ausnahme derjenigen, die über nicht einmal 500 Euro im Monat verfügen. Mediziner wissen schon länger, dass kein anderer Faktor das Risiko zu erkranken und früher zu sterben so sehr erhöht, wie Armut und schlechte Bildung.

Auch die Entscheidung, ob auf dem Markt, im Supermarkt oder beim Discounter eingekauft wird, ist vom Einkommen und der sozialen Schicht abhängig. Besserverdienende suchen häufiger Wochenmärkte, Lebensmittelfachgeschäfte und Naturtkostläden auf. Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass fast 28 Prozent der Deutschen - medizinisch umstrittene - Nahrungsergänzungsmittel oder Vitaminpräparate zu sich nehmen.

Insgesamt hat die Untersuchung ergeben, dass in Deutschland 66 Prozent der Männer und 50,6 Prozent der Frauen als übergewichtig oder fettsüchtig gelten. In diese Kategorien fallen auch bereits 18 Prozent der Jungen und 16 Prozent der Mädchen. 20 Prozent der Bundesbürger sind so dick, dass sie als adipös, das heißt als fettsüchtig bezeichnet werden.

Neben dem sozialen Status und dem Ausbildungsstand steigt der Anteil der Übergewichtigen mit dem Alter. Regional gibt es nur wenige Unterschiede in der Gewichtsverteilung; mehr Einfluss hat der Familienstand: Ledige sind zu einem größeren Teil schlanker als Verheiratete, Verweitwete oder Geschiedene.

Die Grenzen für das Normalgewicht, die von der WHO und medizinischen Fachorganisationen aufgestellt wurden, sind allerdings sehr eng gezogen, weshalb entsprechende Einteilungen immer wieder kritisiert werden.

In jüngster Zeit mehrten sich zudem die wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass Menschen mit leichtem Übergewicht länger und gesünder leben als diejenigen mit so bezeichnetem Idealgewicht. Zudem ist das Gesundheitsrisiko davon abhängig, wo das Fett sitzt: Bauchfett ("Apfelform") ist demnach viel gefährlicher für das Herz als Hüftfett ("Birnenform").

Als übliches Maß zur Gewichtseinteilung gilt der sogenannte Body-Mass-Index (BMI), der sich errechnet, indem das Gewicht durch die ins Quadrat genommene Körpergröße in Metern geteilt wird. Ein BMI von mehr als 25 bezeichnet Übergewicht, ein BMI ab 30 Adipositas (Fettsucht).

Nach diesen Kriterien würde ein 1,80 Meter großer Mann, der 81 Kilogramm wiegt, bereits als übergewichtig gelten. Ab 98 Kilogramm würden Wissenschaftler ihn als fettsüchtig bezeichnen. Eine 1,70 Meter große Frau wäre demnach bereits übergewichtig, wenn sie mehr als 73 Kilogramm wiegt.

Nationale Verzehrstudie

Die Ergebnisse auf einen Blick