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Covid-19:So geht es uns in der Corona-Krise

Wie kommen Sie in Zeiten von Corona klar? Seit voriger Woche haben fast 3000 Menschen an einer SZ-Umfrage teilgenommen - die ersten Ergebnisse des kollektiven Tagebuchs der Krise.

Wie geht es Ihnen - und uns allen? Weil diese Frage mittlerweile mehr ist als nur eine Floskel, haben wir eine SZ-Leserinnen- und Leseraktion für diese schwierige Zeit gestartet. Das kollektive Tagebuch der Corona-Krise soll nicht nur dokumentieren, wie sich unser Gemütszustand in diesen Wochen verändert, sondern auch Austausch und Trost bieten (mehr dazu am morgigen Freitag).

Fast 3000 Leserinnen und Leser haben seit voriger Woche unseren Online-Fragebogen ausgefüllt und gemeinsam versucht, die große Frage zu beantworten. Vielen Dank an alle fürs Mitmachen. In diesen ersten Antworten zeigt sich: Wir stehen noch am Anfang der Krise. Die Ausgangssperren sind - je nach Teilnahmezeitpunkt - erst seit ein paar Tagen bis anderthalb Wochen in Kraft. Die Fallzahlen steigen, aber noch ist nur ein kleiner Teil der Bevölkerung betroffen. Das zeigt auch die große Grafik oben: Jeder Punkt dokumentiert eine einzelne Antwort auf die überwölbende Frage "Alles in allem - wie fühlen Sie sich?" Und das breite und dichte Band heller Punkte signalisiert, dass die große Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer (noch) gut zurechtkommt und sich trotz der schwierigen Umstände wohlfühlt.

Ein genauerer Blick in die Daten gibt Aufschluss darüber, warum das so ist. Das kollektive Tagebuch bildet keinen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab, sondern ist offen für alle. Das führt dazu, dass eher die teilnehmen, die zu Hause der Dinge harren als der Techniker aus dem Heizkraftwerk oder die vielzitierte Kassiererin, die nach einer überlangen Schicht ins Bett fallen.

Der Großteil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeitet im Home-Office. Viele geben auch an, wie bisher weiterzuarbeiten oder sich auf die Familie zu konzentrieren. Eine Minderheit aber ist unmittelbar von den gravierenden wirtschaftlichen Folgen der Krise betroffen. Ihre Erfahrungen bilden wir eigens ab und gehen wir in Recherchen nach.

Zwei weitere Faktoren scheinen entscheidend dafür, dass das Stimmungsbarometer der Krise ein eher positives Bild liefert. Die wenigsten sind bisher selbst von der Krankheit betroffen. Diese Grafik wird vermutlich bei der nächsten Bestandsaufnahme bereits anders aussehen:

Hinzu kommt: Die meisten müssen diese Krise nicht allein überstehen. Sie sind gemeinsam isoliert und leben mit Freund, Frau, Kindern, Mitbewohnerinnen zusammen.

Viele Leserinnen und Leser haben uns geschrieben, wie sehr sie diese teils intensivere Nähe schätzen. Andere berichten, dass die Einsamkeit schwerer zu ertragen ist als die drohende Erkrankung. "Mir mangelt es an nichts - außer an dem Mann, den ich liebe", schreibt eine Leserin.

Die Abstimmungsergebnisse in ihrer Breite sind das eine. Das Andere sind die mehr als 1500 Anekdoten, Beobachtungen und Hinweise. Der Blick in das Leben des oder der Einzelnen, die vielen Facetten dieser Krise, die das Bild erst vollständig machen. Diese Einblicke werden bald auf einer eigenen Seite zu lesen sein.

Auch wenn wir nur eine Auswahl veröffentlichen können, bleibt keine Zusendung ungelesen. Und die aus der SZ-Redaktion, die die Zuschriften - ebenfalls im Home-Office - lesen, die Bilder und Videos anschauen oder die Sprachnachrichten abhören, sind bewegt, betroffen und beeindruckt. Viele Schicksale treiben einem die Tränen in die Augen oder die Wut in die Brust. Wie das der alleinerziehenden Mutter, der gekündigt wurde, nachdem sie sich für Home-Office in ihrem Betrieb stark gemacht hat. Oder das der Krebspatientin, die sich neben all den Sorgen auch noch mit der nur scheinbar banalen Frage konfrontiert sieht, wo sie nach der Chemotherapie noch eine Perücke kaufen kann. Oder das der Enkelin, die der Gedanke an ihre allein sterbende Oma nicht schlafen lässt.

Es gibt aber auch die Trotz-allem-Freude über Entschleunigung, über mehr Zeit für sich, die Familie, Liegengebliebenes. Viel Dankbarkeit und Solidarität und vor allem Hoffnung. Nicht nur die darauf, dass alles bald vorbei ist. Sondern, dass - wieder eine Floskel, die nun keine mehr ist - diese Krise eine Chance bedeutet, dass wir Erkenntnisse, Verhaltensweisen mitnehmen in das Danach, dass sich Dinge verändern könnten und diese Veränderungen gut sind. Oder wie ein Leser schreibt:

"Ich sehe fasziniert, wie die Welt gerade mal kurzerhand ausgebremst wird. Es geschehen Dinge, die man noch vor drei Wochen für undenkbar gehalten hat. Alle müssen umdenken und sich neu sortieren. Abgesehen von den Existenzängsten vieler auch eine Chance, oder?"

Die große Leserumfrage zum kollektiven Tagebuch der Corona-Krise läuft weiter - Sie finden sie und Beiträge von Leserinnen und Lesern hier. Machen Sie gern mit, auch zum zweiten oder dritten Mal, wenn sich Ihr Blick auf die Krise mittlerweile geändert hat.

© SZ.de/sebi/cck/beitz

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