Erfolg von Katzenvideos:Katzen sind allgegenwärtig

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Niedliche Tiere gibt es zuhauf im Internet. Der fliegende Igel Darcy hat auf Instagram mehr als 400 000 Follower und erst vor einigen Tagen feierte das Netz eine Robbe für ihre Surf-Fähigkeiten. Und doch ist kein Tier im Netz so allgegenwärtig wie die Katze. Alleine in Deutschland leben laut Industrieverband Heimtierhaltung 11,5 Millionen Katzen. Zum Vergleich: Die Zahl der Koalabären, auch nicht gerade hässlich, ist weltweit mittlerweile auf weniger als 100 000 geschrumpft. Da wundert es auch nicht, dass der "mutigste Koala Australiens" (Die Welt) sich - obwohl verletzt - zwar 90 Kilometer an einem Kühlergrill festhielt, aber dennoch eine mediale Eintagsfliege blieb. Auch "Paranoid Parrot", der Verschwörungstheoretiker unter den Papageien, und der "Bad-Joke-Aal", der im Netz grausam schlechte Witze verbreitet, sind eher Einzelkämpfer ihrer Gattung. Um etwas zu reißen, bräuchten sie schon einen extrem guten PR-Manager. Einen wie Ben Lashes.

Ben Lashes war Mitglied einer mittelmäßig erfolgreichen Band, er hat in der Musikindustrie für Künstler wie Rebecca Black gearbeitet und ist der wohl berühmteste Meme-Manager. Er hat Grumpy Cat unter Vertrag, Nyan Cat, Keyboard Cat und noch viele andere Internetberühmtheiten. Grumpy Cat, die dauermissmutige Katze, hat inzwischen ein eigenes Buch herausgebracht, ihr Gesicht ist auf einem Cappuccino-Drink zu finden, es gibt Werbeverträge mit einem Tierfutterhersteller und auch als Stofftier ist sie zu haben. Gut für Lashes: Er bekommt 20 Prozent der Einnahmen.

Katzen machen Kohle

Katzen im Netz sind also vor allem eines: Big Business. Ein großer Teil des gesamten Internet-Traffics entfällt heute auf das Senden, Posten und Anschauen von Katzenbildern und -Videos. Eine Werbeagentur aus Kanada mutmaßt gar, 2015 seien Katzen-Clips populärer als Pornografie und machten 90 Prozent des Web-Traffics aus.

Für die Kreativen im Netz ergeben sich neue Chancen. Jeder kann Geld verdienen. Das Prinzip: Youtube schaltet Werbung um die Clips und beteiligt Urheber an den Einnahmen. Bei dem gewöhnlichen Nutzer, der Meerschweinchen beim Futtern filmt, dürften so in der Regel Centbeträge hängen bleiben. Ein Video, das mehrere Millionen Klicks erreicht, kann seinen Urheber jedoch reich machen. Die Zahl der hauptberuflichen Youtuber, die von ihren Clips leben können, steigt und steigt.

Wie Profis agieren, zeigt Urs Kind. Der Doktorand am Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft zeigt den Youtube-Clip "Epic Funny Cats 20 Minutes". Das Video, bis jetzt mehr als 32 Millionen Mal angeklickt, ist mit unzähligen Schlagworten versehen, die möglichst viele User auf das Filmchen führen sollen - darunter auch eher unpassende wie "Michael Jackson" oder "Justin Bieber Baby".

Das Angebot ist riesig, der Markt umkämpft. Deshalb gibt es Menschen wie Ben Lashes, der sich auch als Markenschützer versteht. Viele Fans und andere Leute versuchten, Grumpy Cat für ihre Zwecke zu nutzen, sagte der Meme-Manager zu The Daily Beast. Er kämpft für die Underdogs, sagt er. Fragt man Lashes, was ein Meme braucht, um viral durchzustarten, antwortet er: Es muss cool sein.

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