Erfinder von Carcassonne "Es war uns damals nicht klar, dass wir so einen Knüller landen würden"

Als Bernd Brunnhofer kurz nach der Gründung aus einer Liste mit möglichen Firmennamen "Hans im Glück" rauspickte, war nicht vorhersehbar, dass ihm mal so viel Glück mit einem Spiel beschert sein würde. Er hätte auch nie gedacht, dass er sechs Mal den sogenannten Pöppel, wie die Auszeichnung "Spiel des Jahres" in Fachkreisen heißt, bekommen würde. Ebenso wenig, dass er den Markt in 30 Jahren mit mehr als 100 Spielen bereichern könnte. Ist es Talent oder vor allem Erfahrung, Erfolg zu haben?

Bernd Brunnhofer sitzt an einem großen Tisch, der in der Mitte des Büros steht, und blickt von den ausgebreiteten, quadratischen Carcassonne-Kärtchen auf seinen Sohn und zurück. "Es war uns damals nicht klar, dass wir so einen Knüller landen würden", sagt er. "Es ist ein simples Spiel." Sein Sohn ergänzt: "Man kann es aber auch sehr fordernd spielen." Sein Vater antwortet: "Es kann bös und lieb gespielt werden." Da klingt nach bald fünfzig Jahren in München der Charme des Grazers durch. Und man hört auch: Es gibt kein Erfolgsrezept. Höchstens ein paar Kriterien, die erkennen aber auch die anderen Spieleverlage nicht sofort.

Mehr als 400 Spieleideen kommen jedes Jahr

Fast hätten sie "Die Siedler von Catan" bekommen, das Supererfolgsspiel, das heuer sein 20-Jähriges feiert. Monatelang sei es bei Kosmos gelegen, so dass Autor Klaus Teuber bei Bernd Brunnhofer anrief, und fragte, ob er es sich nicht mal anschauen könnte. 1991 hatte Teuber das für den Verlag erste "Spiel des Jahres" "Drunter & Drüber" bei Brunnhofer herausgebracht. Sicher hätte er die Siedler als Freundschaftsdienst begutachtet. Ob sie das Spiel wirklich herausgebracht hätten, da sei er sich nicht sicher, sagt Brunnhofer ehrlich. Schließlich hat die Konkurrenz die Siedler dann doch aus der Warteschleife geholt und inzwischen mit vielen Erweiterungen 22 Millionen Mal verkauft.

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Mehr als 400 Spieleideen bekommt der Hans-im-Glück-Verlag jährlich zugeschickt. Oft seien es Abwandlungen von bereits bekannten Titeln, die aber keine Chance haben. Immerhin 100 schaffen es, intern getestet zu werden. Zuerst werden nur die Spielregeln geprüft, dann nimmt sich ein Team einen Prototypen vor. Wenn das Potenzial erkannt, aber Defizite spürbar sind, wird meist mit dem Autor verhandelt.

Das sei wie ein Ping-Pong-Spiel, sagt Bernd Brunnhofer. Am Ende kommen sie mit zwei bis vier neuen Spielen jährlich auf den Markt. Das sind Gesellschaftsspiele, die grafisch und in der Verarbeitung qualitätsvoll sind, aber nicht immer familientauglich wie 2014 das komplexe Themenspiel "Russian Railroads". "Lieber weniger, aber qualitativ hochwertig", das ist Moritz Brunnhofers Devise. Seinem Vater liegt immer noch viel an der Produktentwicklung, der Sohn kümmert sich mehr ums Tagesgeschäft und die Lizenzen. 60 bis 70 Prozent des Verkaufs ist im Ausland.

In diesen Tagen sind die Brunnhofers in Nürnberg auf der Spielemesse. Sie werden wie immer viele Gespräche mit Autoren führen. Die Szene sei ein bisschen wie ein Kaninchenzüchterverein, sagt Bernd Brunnhofer und lacht. Sein Sohn sagt darauf ernst: "Es gibt eine gewisse Erwartungshaltung an uns."

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