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Erdbeben:Erschütternd

In Nepal gab es ein schweres Erdbeben. Wie kam es zu der Naturkatastrophe und wie geht es jetzt weiter?

Ein schweres Erdbeben hat am vergangenen Wochenende Nepal erschüttert, das ärmste Land Südasiens. Viele Menschen sind dabei ums Leben gekommen, mindestens 5000. Wie kam es zu dieser Naturkatastrophe und wie geht es jetzt in Nepal weiter?

Die Erdplatten bewegen sich

Die äußerste Haut der Erde besteht aus einzelnen Platten. Wie Puzzlesteine bilden sie zusammen die Erdkruste. Allerdings passt dieses Puzzle nicht perfekt zusammen. Die Erdplatten treiben auf dem zähflüssigen Gestein des Erdmantels. Manche driften auseinander - etwa die Eurasische und die Nordamerikanische Platte. Andere bewegen sich aufeinander zu. Die Indische Platte rückt pro Jahr etwa vier Zentimeter auf die Eurasische Platte zu.

Die Kräfte können enorm sein

Vor etwa 50 Millionen Jahren bewegte sich die Indische Platte mit deutlich höherer Geschwindigkeit als heute. Forscher gehen von 18 bis 20 Zentimetern pro Jahr aus. Damals krachte sie regelrecht gegen Eurasien. Durch den mächtigen Zusammenstoß bildeten sich gewaltige Gesteinsstapel, die in den folgenden Jahrmillionen weiter zusammengeschoben und gefaltet wurden. So wuchs das höchste Gebirge der Erde, das auch "Dach der Welt" genannt wird: Das Himalaja-Massiv mit dem 8848 Meter hohen Mount Everest.

So entsteht ein Erdbeben

Die Platten können sich ineinander verhaken, dabei entstehen große Spannungen. Ab und zu werden die Erdplatten dann schlagartig wieder frei und schieben sich übereinander. Die Forscher des Geoforschungszentrums Potsdam vermuten, dass sich bei dem jüngsten Beben die Indische Platte mit einem Ruck unter die eurasische geschoben hat oder dass es einen Bruch in der Platte gab. Die Wissenschaftler rechnen damit, dass es in Nepal noch Wochen bis Monate lang Nachbeben geben kann.

Warum Experten nicht überrascht sind

In der Himalaja-Gegend kommt es alle paar Jahre zu einem schweren Erdbeben - von Afghanistan und Pakistan über Tibet bis China. Nepal hatte in den vergangenen 80 Jahren einfach Glück. Wissenschaftler warnen jedoch schon seit Jahrzehnten vor einer Katastrophe. Die Regierung von Nepal hatte vor einigen Jahren beschlossen, sich besser auf Erdbeben vorzubereiten. Doch das Land ist sehr arm. Deshalb wurde bisher wenig gemacht.

Was jetzt passiert

Im Moment leisten die Vereinten Nationen und viele einzelne Länder Nothilfe. Auch Hilfsorganisationen versuchen, Menschen zu retten und mit dem Nötigsten zu versorgen: Wasser, Lebensmittel, Medikamente, Zelte und Decken. Die deutsche Regierung gibt unter anderem eine Million Euro, damit Telefon- und Mobilfunknetze repariert werden können. Danach wird es darum gehen, Siedlungen wieder aufzubauen - und zwar so, dass sie Erdbeben standhalten können. Dabei könnten auch Sicherheitszonen geschaffen werden, in denen nicht gebaut werden darf, etwa in Gegenden, in denen es Erdrutsche geben kann. Auch dabei wollen viele Länder und Hilfsorganisationen dem Land Nepal helfen.

© SZ vom 02.05.2015 / henz, dpa, epd
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