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"Er sagt, sie sagt" zu Tischmanieren:Hör auf, mich zu stupsen!

Er sagt sie sagt

Der Gast ist König, doch der Mann nagt am Hühnerbein.

(Foto: Illustration iStockphoto; Bearbeitung Yinfinity)

Entweder er isst für ihren Geschmack zu wenig oder zu viel - und das auch noch vor Gästen. Ein Beziehungsdrama in Dialogform.

Die Tür fällt ins Schloss, die Gäste sind soeben gegangen.

Sie: Puh, bin ich erledigt. Aber das Essen ist mir gut gelungen, findest du nicht?

Er: Allerdings. Schade nur, dass ich nicht mehr davon erwischt habe.

Sie: Es ist noch was übrig, nimm dir ruhig die Reste.

Er: Danke, jetzt mag ich auch nicht mehr.

Sie: Was bist du denn so zickig?

Er: Was sollte das vorhin? Warum hast du mir unterm Tisch gegen das Schienbein getreten, als ich mir noch ein Stück von der Quiche nehmen wollte?

Sie: Weil du immer so schnell bist, und dann bekommt keiner mehr was.

Er: Das stimmt doch gar nicht! Habe ich etwa jemandem etwas weggegessen oder ihm den Teller weggenommen?

Sie: Ich wollte nur verhindern, dass unsere Gäste zu kurz kommen.

Er: Die konnten doch längst nicht mehr!

Sie: Ich dachte eben ... sicherheitshalber, falls später nochmal jemand Hunger bekommt.

Er: Der einzige, der Hunger hatte, war ich.

Sie: Du hattest nur Appetit, das kenne ich schon bei dir.

Er: Woher willst du das wissen?

Sie: Dass du immer so kompliziert sein musst! Iss doch jetzt, wenn du noch etwas möchtest.

Er: Ich bin nicht kompliziert. Und ich möchte dann essen, wenn ich Hunger habe. Und nicht mitten in der Nacht die kalten Reste aus einem Topf kratzen.

Sie: Ich kann dir die Quiche gerne warm machen, wenn du möchtest. Oder du schiebst sie schnell in die Mikrowelle.

Er: Darum geht es doch nicht, Herrgott! Ich wohne hier - und möchte auch so behandelt werden.

Sie: Diese Völlerei so spät am Abend ist auch gar nicht gesund.

Er: Jetzt lenkst du schon wieder vom Thema ab.

Sie: Ich bin nur gastfreundlich. Der Gast ist bei mir König. Soll niemand sagen, er wäre nicht satt geworden bei mir.