"Er sagt, sie sagt" zu Salz im Essen Schon wieder so eine Gemeinheit

Sie: Und was sagt dir deine Erfahrung - dass ich zu lasch koche, oder wie?

Er: Aber nicht doch, Liebes. Ich freu mich, wenn du überhaupt kochst.

Sie: Schon wieder so eine Gemeinheit. Aber noch kränkender finde ich diese Salzerei. Das ist ein Affront, eine Herabwürdigung meiner Kochkunst.

Er: Im Ernst jetzt, du fühlst dich angegriffen von einem Salzstreuer?

Sie: Bei meiner Mutter machst du das auch immer. Und jedes Mal fragt sie mich anschließend, ob es dir nicht schmecken würde bei ihr.

Er: Ach Gott, deiner Mutter kann ich es doch ohnehin nie recht machen. Selbst wenn ich Blumen bringe, die Tischdekoration lobe und mich bei ihrem heimtückischen Kater einschleime: Wenn ich nicht mindestens drei Portionen esse, ist sie beleidigt. Da ist es schon egal, ob ich salze.

Sie: Sie meint es eben gut.

Er: Ach, deshalb fragt sie mich wohl auch jedes Mal, ob ich wirklich noch ein weiteres Bier vertrage.

Sie: Vielleicht solltest du weniger Salz verwenden, dann hast du auch nicht so viel Durst.

Er: Können wir jetzt essen?

Er probiert. Stutzt. Greift nach dem Wasserglas und trinkt es in einem Zug aus.

Sie: Was ist, schmeckt es nicht?

Er: Doch, ja.

Sie: Aber du isst ja gar nicht.

Er: Wie gesagt, ich habe wohl einfach keinen Hunger.

Sie: So so.

Er: Puh, ganz schön würzig.

Sie: Na klar, weil du haufenweise Salz draufgeschüttet hast. Es war genau richtig!

Er: Schade eigentlich. Jetzt hast du schon mal gekocht. Und ich hab's versaut.

Sie: Mach' dir nichts draus - du hattest doch ohnehin keinen Hunger.

Er: Also ein bisschen was hätte ich schon gern gegessen.

Sie (schiebt ihren Teller zu ihm rüber): Darf ich dich auf eine halbe Portion einladen? Gerade genug für den kleinen Hunger - und garantiert unversalzen.

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