"Er sagt, sie sagt" zu Familienfeiern Das war das letzte Mal!

Er denkt, sie will ihn unbedingt dabeihaben. Sie wünscht sich, er wäre zu Hause geblieben.

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Sie sind der Prüfstein für Paare: Verwandtenbesuche und Familienfeiern. Während er ihr zuliebe mitkommt, wünscht sie sich, er wäre zu Hause geblieben. Ein Beziehungsdrama in Dialogform.

Von Violetta Simon

Ein Parkplatz vor einem Restaurant. Es ist spät. Sie steigen in ihr Auto. Die Türen fallen zu. Stille.

Er: Puh!

Sie: Was meinst du mit "puh"?

Er: Puh, das hätten wir geschafft.

Sie: Hat dir die Goldene Hochzeit meiner Eltern etwa nicht gefallen?

Er: Ich bin nun mal kein Fan von solchen Großfamilienereignissen.

Sie: Wegen mir hättest du nicht mitkommen müssen. Dann brauche ich mir wenigstens keine Gedanken zu machen, ob du dich amüsierst.

Er: Hättest du das nicht früher sagen können?

Sie: Aber das habe ich doch!

Er: Ich meine: So, dass ich es auch glaube.

Sie: Du kannst mir immer glauben, was ich sage.

Er: Dann habe ich mir diese Familienfeier also völlig umsonst angetan.

Sie: Was soll das heißen: angetan?

Er: Zum Beispiel mit dir in deinem alten Kinderzimmer übernachtet - beobachtet von einem Dutzend Kuscheltieren.

Sie: Es war doch nur für eine Nacht.

Er: Eben. Hätten wir uns da nicht ein Zimmer in der Pension um die Ecke leisten können?

Sie: Du weißt ja, wie meine Eltern sind.

Er: Zumindest habe ich inzwischen eine ganz gute Vorstellung davon. Glaubst du, sie haben mich absichtlich neben deinen Großonkel gesetzt?

Sie: Keine Ahnung. Hat sich Onkel Theo wieder danebenbenommen?

Er: Er hatte eine Flasche Korn unter dem Tisch deponiert und schenkte sich immer wieder nach. Mit jedem Glas wurden die Geschichten, die er erzählte, abenteuerlicher.

Sie: Und genau deshalb solltest du davon keine einzige glauben.

Er: Dann ist also nichts dran an der Sache mit dem gefälschten Brief?

Sie: Das hat er dir nicht erzählt!

Er: Und ob! Und sag mal, stimmt es, dass du versucht hast, in eine Bierflasche zu pinkeln?

Sie: Das ist doch die Höhe!

Er: Aber dass du ein Jahr lang dieselben Leopardenleggins trägst, das hätte ich nicht von dir gedacht.

Sie: Ich fasse es nicht.

Er: Ich sehe dich jetzt mit ganz anderen Augen.

Sie: Es ist wohl wirklich besser, wenn du nächstes Mal zu Hause bleibst.

Er: Deine Mutter hat sich jedenfalls wahnsinnig gefreut, dass ich dabei war.

Sie: Wieso das denn?

Er: Es war ihr wohl ein großes Bedürfnis, dass ich mitkomme zu dieser Familienfeier.

Sie: Hat sie dir das gesagt?

Er: Aber ja - immer wieder.

Sie: Und warum wollte sie unbedingt, dass du dabei bist?

Er: Damit deine Tante sieht, dass ... wie hat sie es formuliert? Ach ja: dass du auch einen abbekommen hast.

Sie: Jetzt reicht es. Endgültig. Weißt du was? Nächstes Mal bleiben wir beide daheim.