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Entsorgung von Medikamenten:Warum die Apotheken nun zahlen sollen

Bislang finanzierte die Pharmaindustrie das gängige System, nachdem die Altmedikamente und ihre Verpackungen in den Apotheken abgeholt und sicher entsorgt wurden. Drei Viertel aller Apotheken waren diesem Rücknahmesystem angeschlossen. Das funktioniert nun aber nicht mehr: Die Pharmaindustrie ist nämlich nur dazu verpflichtet, für die Rücknahme der Verpackungen aufzukommen, nicht aber für die Entsorgung der Altmedikamente. Und weil die Pharmaindustrie die Rücknahme der Verkaufsverpackungen nicht mehr selbst organisieren darf, sondern sich finanziell am Dualen System beteiligen muss, fehlt nun plötzlich Geld.

Michael Heising, Geschäftsführer des Kölner Unternehmens Vfw, das die Altmedikamente inklusive Fläschchen und Kartonagen bislang im Auftrag der pharmazeutischen Industrie eingesammelt hat, sagt, das bisherige System sei aber nur durch die Verpackungen lebensfähig gewesen. Altmedikamenten-Rücknahme könne nun nicht mehr kostendeckend betrieben werden. Seit Anfang Juli bietet Vfw den Service deshalb nur noch in veränderter Form an.

Jeder muss selbst entscheiden

Wie viele Apotheken den alten Service zum neuen Preis bislang angefordert haben, sagt Heising nicht. Er deutet aber an, dass es bislang sehr viel weniger Kunden sind als zuvor. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände führt darüber nicht Buch und will auch keine Schätzungen vornehmen. Pressesprecherin Ursula Sellerberg sagt zu dem Thema nur, dass jeder Apothekenleiter für sich entscheiden müsse, wie er mit der Rücknahme umgehe.

Zusammen mit Vertretern von Apotheken und Pharmaindustrie will die Vfw laut Geschäftsführer Heising nun eine neue Lösung finden, mit der alle Beteiligten leben können. Einige Städte versuchen ebenfalls, Alternativen zum bisherigen System zu finden. So wird in Berlin gerade die "Meditonne" getestet, eine verschließbare Abfalltonne, deren Inhalt verbrannt wird.