Dem Geheimnis auf der Spur:Es geschah in den White Mountains

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Dem Geheimnis auf der Spur: Eine fliegende Untertasse stoppte Betty und Barney Hill angeblich als sie 1961 nachts durch New Hampshire fuhren

Eine fliegende Untertasse stoppte Betty und Barney Hill angeblich als sie 1961 nachts durch New Hampshire fuhren

(Foto: mauritius images / Memento)

Die unglaubliche Entführung des Ehepaars Hill durch ein Ufo - Schwindelei, Einbildung, Wahn oder Tatsache?

Von Rudolf von Bitter

Am Abend des 19. September 1961 fuhren Betty und Barney Hill in ihrem schon etwas älteren Chevrolet Bel Air aus dem Urlaub in Kanada, wo sie unter anderem die Niagara-Fälle bestaunt hatten, nach Hause, nach Portsmouth, New Hampshire. Ein fortschrittliches, aufgeklärtes Paar ohne Vorurteile, er, Angestellter bei der Post, war Afroamerikaner, sie war weiß. Sie waren guter Dinge, nur wurde ihnen die Fahrt ein bisschen lang.

Es war 22.30 Uhr, als sie südlich von Lancaster, einem 3000-Seelen-Nest in New Hampshire, ein Schimmern am Himmel wahrnahmen, das sie zunächst für eine Sternschnuppe hielten, dann für ein Verkehrsflugzeug. Weiter gelangten sie zum Pass von Franconia, der in die White Mountains führt. In der Nähe des Cannon Mountain erkannten sie ein lichtgebadetes Luftfahrzeug, das über ihnen schwebte. Dann: Filmriss. Als sie am nächsten Tag wieder zu sich kamen, stand ihr Auto circa 56 Kilometer weiter südlich.

Soweit Betty Hills Darstellung des Geschehnisses bei der US-Air Force. Der pensionierte US-Major Donald E. Keyhoe, der Bücher über fliegende Untertassen veröffentlichte, machte den Fall bekannt. Was war zwischen 22.30 Uhr und dem nächsten Morgen geschehen? Zunächst hatte das Ehepaar Hill nur schattenhafte Erinnerungen. Ein paar Tage später konnte Betty anhand beunruhigender Träume die Spur dieser verrückten Nacht nachverfolgen: eine Entführung durch eine Gruppe militärisch organisierter Humanoider; ein Anführer, der sie in einer Art Laboratorium ausfragt und versucht, sie zu beruhigen. Ein emotionsloser Wissenschaftler, der sie untersucht, ihr Haare abschneidet, ein Stück vom Fingernagel, eine Schuppe der Haut. Betty hatte noch mehr Albträume, so dass das Paar 1964 ein paar Versuche mit Hypnose unternahm, um neue Einzelheiten herauszubringen. In der Erinnerung wurde Bettys Schilderung dann immer konkreter: "Es war ein herrlicher Abend. Der Mond schien sehr hell, und wir waren ruhig und entspannt, das Radio lief, als ich das merkwürdige Ding am Himmel sah. Es kam direkt über den Highway und hielt unmittelbar vor uns."

Eine Frau berichtete, dass sie ein Alien-Baby verloren habe

Barney hatte zwar eine Pistole, die er aber, vom Schrecken gelähmt, nicht benutzte. Er sei ausgestiegen und habe mit Hilfe seines Fernglases die Identität des Luftfahrzeugs feststellen wollen. Betty: "Und als er hinaufblickte, konnte er eine Reihe von Männern erkennen, die an den Fenstern standen und zu ihm herunterschauten. Das Luftfahrzeug begann mit der Landung, und er hatte das Gefühl, dass die versuchen, ihn zu entführen." Viel mehr war nicht herauszufinden. Immerhin war Betty Hill einigermaßen stolz, dass sie zu den ersten gehörte, die von Angesicht zu Angesicht mit Astronauten eines anderen Sternensystems Kontakt hatten.

Zu dieser Zeit stießen immer mehr Amerikaner angeblich auf Außerirdische. Der New Yorker Künstler Elliot Budd Hopkins machte daraus so etwas wie eine Geschäftsidee: Er versetzte die Zeugen solcher Begegnungen in Hypnose und fragte sie aus. Der eine erzählte, "die" hätten ihm das rechte Auge herausgenommen und erstmal hängen lassen, ein anderer berichtete von Nadeln, die ihm in Ohren und Augen gestochen worden seien, eine dritte verkündete, dass sie ein Alien-Baby verloren habe. Hopkins' Methode war, die künstliche Gedächtnis-Blockade, die die Aliens ihren Opfern angeblich auferlegten, zu lösen, so dass alles gründlich zur Sprache kommen konnte. Mit dem Bestseller "Intruders" (1987) sicherte er sich die Meinungsführerschaft in Sachen Ufos. Als aber der TV-Sender Nova im Frühjahr 1997 herausfinden wollte, ob es nicht doch etwas irdischere Erklärungen gäbe, und eine Doku über ihn produzierte, sah es sehr nach Suggestionen aus, mit denen Hopkins seine Klienten zu sensationellen Aussagen brachte.

Angeblich kamen die Außerirdischen vom Doppel-Stern Zeta Reticuli

Zum Fall der Hills gab es immer wieder Klärungsversuche. Stanton T. Friedman veröffentlichte unter der etwas marktschreierischen Überschrift "Captured! The Betty and Barney Hill UFO Experience" die "Geschichte der ersten nachgewiesenen Entführung durch ein Ufo, wie sie wirklich war". Friedman hatte sich zuvor, Ende der Siebzigerjahre, einen Namen gemacht, indem er das "Roswell incident" (Trümmer eines unidentifizierten Flugobjekts bei Roswell, New Mexico), zu einer Ufo-Geschichte erklärte. Im Buch über die Hills bezieht sich Friedman vor allem auf eine Sternenkarte, an die sich Betty aus der Entführung erinnerte. Darüber hatte auch lange vorher schon John Grant Fuller geschrieben: In "The Interrupted Journey" rollte der Autor 1966 die Geschichte der Hills auf. Fullers Buch sollte in der Geschichte des Ufo-Wesens bleibenden Einfluss haben. Er hatte nach Gesprächen mit den Hills eine Sternenkarte abgebildet, die Betty im Fluggerät bemerkt hatte und nachzeichnete. Diese Karte ermöglichte es der astronomieverrückten Lehrerin Marjorie Fish festzustellen, dass die Hills von Bewohnern des Zeta Reticuli entführt worden sind, einem Doppelstern, 39 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Viele Experten zweifelten die Erlebnisse der Hills aber an. War es Schwindelei, Einbildung, Wahn? Waren sie einer Halluzination aufgesessen? Wieso erinnerte sich Betty Hill erst Jahre nach dem Vorfall genauer an das Geschehen? Und warum ähnelten ihre Erinnerungen Szenen aus damaligen Science-Fiction-Serien? Ging es um Geld, das die Hills von Zeitschriften für ihre Geschichte bekamen? Bis zu ihrem Tod am 17. Oktober 2004 hielt Betty Hill, Witwe seit 1969, an der Wahrhaftigkeit ihrer Entführung durch die Zeta Reticulianer fest. Die wenigen Autofahrer, die südlich von Lancaster bei Franconia vorbeifahren, können sich am Pass zu den White Mountains ihre Gedanken machen.

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