Energydrinks Gefährlicher Kick

Das Bundesamt warnt vor Energydrinks gemischt mit Alkohol. Diese Mischung ist bei Partygängern besonders beliebt, aber auch besonders gefährlich.

Von Julia Olbrich

Alkohol mit Energydrinks - diese Mischung ist vor allem bei Partygängern beliebt. 2006 wurden weltweit alleine drei Milliarden Dosen Red Bull getrunken, viele davon sicher Form von Drinks wie "Wodka-Red-Bull".

Energydrinks enthalten Koffein und Taurin in hoher Konzentration. Das Bundesamt für Risikobewertung warnt vor dem Konsum der Drinks in Kombination mit Alkohol oder Sport.

(Foto: Foto: AP)

Solche Mischungen sind womöglich riskant: Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) warnt in einem aktuellen Bericht vor möglichen Gesundheitsrisiken durch den Konsum von Energydrinks im Zusammenhang mit Alkohol oder Sport. In einigen Fällen könnte es zu Herzrhythmusstörung, Krampfanfällen oder Nierenversagen kommen.

Energydrinks enthalten vor allem Koffein und Taurin, eine Aminoethansulfonsäure, in hoher Konzentration. Bereits vor Jahren informierte die Bundesbehörde über ein nicht kalkulierbares Gesundheitsrisiko, wenn Energydrinks mit Alkohol gemixt werden.

"Wir gehen davon aus, dass sich die typischen Inhaltsstoffe der Drinks in ihrer toxikologischen Wirkung gegenseitig verstärken. Das könnte für Menschen mit einer Herzerkrankung, hohem Blutdruck oder Koffeinempfindlichkeit bedenklich werden", sagt Birgit Dusemund vom BfR.

Anlass für die neue Warnung ist eine schwedische Studie, die von vier ungeklärten Todesfällen nach dem Konsum von Alkohol und Energydrinks berichtet. Eine 19-jährige Frau wurde im Jahr 2000 tot aufgefunden, nachdem sie am Vorabend sechs Wodka-Red-Bull getrunken hatte. Ein 18-jähriger Mann brach im Sommer 2005 leblos zusammen. Unter dem Stress einer Führerscheinprüfung hatte er eine Woche lang jeden Tag einige Dosen Red Bull getrunken.

Ab welcher Dosis schadet Taurin?

In beiden Fällen ergab eine Obduktion keinen Hinweis auf Vorschädigungen. Auch Spuren von Drogen oder anderen Giften konnten im Blut nicht nachgewiesen werden. Die Schweden berichten weiter von einem 31-jährigen Sportler, der vor einem 3000-Meter-Lauf drei Dosen Red Bull getrunken hatte und anschließend mit akutem Nierenversagen in die Klinik kam. Unklar ist, ob die Energydrinks tatsächliche Ursache der Zwischenfälle waren, betont das BfR.

Möglicherweise habe die berauschende Wirkung beim Sportler zu einer Überanstrengung geführt, vermutet Roland Schäfer, Internist und Nierenspezialist am Universitätsklinikum Münster. Das könnte zu einem starken Muskelzelluntergang in den Beinen geführt haben.

Das dadurch freigesetzte Myoglobin gelangt in die Niere, verstopft dort die Harnkanälchen und kann zu einem akuten Nierenversagen führen. Eine Gefahr für gesunde Menschen ist ihm allerdings nicht bekannt. "Doch das Problem ist, dass viele Vorgeschädigte nichts davon wissen."

Auch Melchior Seyfarth vom Deutschen Herzzentrum in München glaubt nicht, dass Energydrinks Herzrhythmusstörungen oder einen hohen Blutdruck verursachen können. "Vorstellbar ist allerdings, dass die Substanzen bei entsprechender Veranlagung die Komplikationen auslösen."

Taurin ist an vielen Stoffwechselprozessen im Körper beteiligt. Gleichzeitig nimmt der Mensch diesen Stoff auch als Bestandteil von Fisch und Fleisch zu sich. Ab welcher Dosis Taurin möglicherweise schadet, sei durch diese Interaktionen schwer zu beziffern, sagt Dusemund. "Die Datenlage ist leider sehr unbefriedigend." Normalerweise gehe man mit so vielen Fragezeichen nicht an die Öffentlichkeit, sagt die BfR-Mitarbeiterin.