Elvis in Deutschland Der King im Capri-Club

Bett 13 in Baracke 3707, Erdgeschoss links in den Friedberger Ray Barracks blieb meist verwaist. Elvis residierte lieber bequemer, privater, von seinem Clan umgeben. Er selbst, Vater Vernon, Großmutter Minnie Mae sowie zwei rüpelhafte Leibwächter zogen zunächst in das feine Bad Nauheimer Park Hotel, dann für fast vier Monate in das Hotel Villa Grunewald.

GI Elvis gibt Autogramme vor der Kaserne in Friedberg.

(Foto: Foto: dpa)

Allerlei Details kolportieren die damaligen Angestellten darüber, wie der King und dessen Sippschaft residierten. Parkhotel-Page Georg will Schlaftabletten und Appetitzügler für Elvis aus der Apotheke geholt haben. Und doch erinnert sich der damals 14-jährige Lehrling an die enormen Portionen, die Elvis auf sein Zimmer bestellte: Maiskolben mit Speck, Bratwürste mit Zwiebeln, Hamburger, Hotdogs, Brathähnchen mit Grünkohl, und obendrauf noch ein Schokolade-Malz-Bananen-Milchshake.

Kein Wunder also, dass die Bilder, die den jungen Elvis zeigen, schon jenes Übergewicht andeuten, das später einmal in die wurstpellenengen weißen Anzüge gepresst werden sollte. Zwei Worte, erinnert sich Georg in dem Sammelband "Elvis in der Wetterau", habe Elvis damals auf Deutsch sagen können: "Auf Wiedersehen" und "Wiener Schnitzel".

Alkohol und Damen

Infantil sei er gewesen, habe mit Kuscheltieren geschmust, stinknormal eben, ein bisschen schüchtern, erinnert sich Georg an Details, von denen man heute kaum zu sagen vermag, wo die Wahrheit in soviel Mythos steckt und wo das Immer-wieder-Erzählen sich eigene Realitäten geschaffen hat - wie es Zeitzeugenberichten zueigen ist.

Weil Vater Presley und die Leibwächter immense Mengen Alkohols konsumierten und mit dem Ruhm des Sohnes beziehungsweise Arbeitgebers auch die eine oder andere Dame auf das Hotelzimmer lockten, waren die Presleys bald - wie schon im Parkhotel - auch für die Villa Grunewald untragbar. Zudem belagerten Presse und Fans das Hotel, was den Betrieb stark behinderte.

Der Presley-Clan flog raus und zog in ein großbürgerliches Villenviertel der Kurstadt Bad Nauheim, in die Goethestraße 14 - eine Villa, die heute eine Arztfamilie bewohnt, die kein Gedenktäfelchen an jener Gartentüre duldet, vor der einst Horden von Teenagern darauf warteten, dass ihr Idol vom Dienst aus dem vier Kilometer entfernten Friedberg heimkehrte. Noch heute strahlt das Haus eine Aura von Geborgenheit aus. Hier habe er seine zweite Heimat gefunden, sagte Elvis, als er sich wieder auf den Weg nach Memphis machte, in seine erste Heimat. Die zweite hat er nie wiedergesehen.

In Deutschland blieben Menschen zurück, für die die Begegnung mit Elvis zur Achse wurde, die ihre Lebenszeit in ein Davor und Danach teilt. Jedes noch so kleine Detail haben sie in sich aufgesogen. Zu ihnen gehört Claus-Kurt Ilge, damals 16 Jahre alt. "Wir jungen Menschen suchten den Protest, und Elvis half uns dabei. Eltern und Lehrer hatten dafür kein Verständnis", berichtet Ilge in seinem Buch.

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