Elternkolumne „Die Erziehungsberechtigten“„Toll, wie der Papa sich um alles kümmert!“

Lesezeit: 2 Min.

Kolumnist Patrick Bauer.
Kolumnist Patrick Bauer. (Foto: Lorenz Mehrlich)

Sätze wie diesen bekommt unser Kolumnist häufig zu hören, wenn er mit seinen drei Kindern unterwegs ist. Auch in Elterninitiativen wird das Engagement von Männern gefeiert, während Frauen oft die Hauptlast tragen.

Von Patrick Bauer

Ich glaube, dass ich bei Frauen nie so gut ankam wie in meinen sogenannten Elternzeiten. Natürlich habe ich bei allen drei Kindern Elternzeit genommen. Und natürlich sind wir in der Zeit nicht als Familie um die Welt gereist, das ist ja geschummelt. Ich war schön zu Hause, und meine Frau konnte sich ihrer Karriere widmen oder einfach mal allein vor die Tür. Okay, zugegeben, der Transparenz halber: Nach der Geburt unseres zweiten Kindes waren wir zwei meiner sechs Monate in Thailand. Aber darum soll es hier nicht gehen.

Ich lief in meinen Elternzeiten mit einem Baby im Kinderwagen und später mit größeren Kindern, die neben diesem Kinderwagen trotteten, durch den Alltag. Kaufte hier Milch und Gurken. Spazierte da durch den Park. Fuhr dorthin mit der U-Bahn. Nichts Spektakuläres. Aber wo ich auch hinkam, stand eine Frau bereit, mich anzufeuern. Mit beseelten Blicken. Mit offensivem Lächeln. Mit warmen Worten. Ältere Damen, die riefen: „Das ist aber toll, wie der Papa sich um alles kümmert!“ Kinderlose Frauen, die mir verträumt zuflüsterten: „Ihr seid ein richtig cooles Duo!“ Aber vor allem müde Mütter gleich alter Kinder, die mir auf dem Spielplatz gar nicht mehr von der Seite wichen, manchmal sogar zu mehreren, und auch mal einen Kaffee trinken gehen wollten – als sähen sie in mir etwas, das ihr eigener Mann, der wohl nicht so brav Elternzeit genommen hatte, nicht war.

Ich will mich null Komma null beschweren. Es ist schön, von Frauen umringt und immerzu gelobt zu werden. Ich glaube, ich hätte mit Baby in der Trage auf offener Straße laut rülpsen können, und irgendeine Frau hätte sich gefreut, dass der Papa so gut Bäuerchen macht. Und so richtig aufgehört hat das eigentlich nie. Wenn ich mit den drei Kindern, von denen mindestens zwei eigentlich keine Betreuung mehr brauchen, heute Zug fahre, attestiert mir mit großer Wahrscheinlichkeit eine umsitzende Frau am Zielbahnhof: „Haben Sie richtig toll gemacht!“ Wenn meine Frau dagegen von vaterlosen Bahnreisen mit denselben wohlerzogenen Kindern nach Hause kommt, kann sie nur von unhöflichen Sitzplatzblockierern berichten.

Neulich beim Elternabend einer der diversen Elterninitiativen, deren Teil wir sind, platzte einer Mutter der Kragen. Es waren mal wieder Aufgaben verteilt worden. Wenn eine Frau sich bereit erklärte, alle Feste zu organisieren, wurde der Tagesordnungspunkt abgehakt. Wenn aber ein Mann nach langem Schweigen seufzte, na gut, er werde schauen, dass er die Fenster putzt (oder „das noch mal zu Hause mit der Anna absprechen“), brandete – ungelogen – Applaus auf und es wurde auf die winzigen Tische geklopft. „Merkt ihr das nicht“, rief die Mutter, „dass wir Engagement von Frauen selbstverständlich finden und das von Männern feiern?“

Ich melde mich für kein Amt mehr. Ich war drei Jahre ERSTER Vorstand eines Kindergartens, während der Pandemie. Das soll reichen. Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass ein erster Vorstand bundespräsidentenhaft wenig zu tun hat im Vergleich zur zweiten Vorständin (danke, Martina). Zum Abschied aus dem Kindergarten wurde mir trotzdem gebührend gehuldigt. Eigentlich hatte meine Frau in dem Kindergarten lange vor mir mal die wirklich schweißtreibende Drecksarbeit der Finanzvorständin erledigt. Aber darum soll es hier nicht gehen.

In dieser Kolumne schreiben Patrick Bauer und Friederike Zoe Grasshoff im Wechsel über ihren Alltag als Eltern. Alle bisher erschienen Folgen finden Sie hier.

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