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Eine Frau, ein Buch (7):Qualität ist käuflich

Frauen kaufen gerne. Manch eine gilt gar als konsumsüchtig. Aber einen Diamanten von Plastik unterscheiden, das sollte sie schon können. Ein ultimatives Buch weiß Rat.

EINEN HUT TRAGEN

Die wohl berühmteste Hut-Trägerin: Queen Elizabeth. Ohne schicke Kopfbedeckung sieht man sie selten.

(Foto: Foto: Getty Images)

Der Hut hat sich vom Pflichtteil der eleganten Damengarderobe mehr und mehr zum fakultativen Accessoire entwickelt. Einst galt er sogar als Zeichen der Emanzipation, denn der klassische Hut, bestehend aus Kopf und Krempe, war traditionell den Männern vorbehalten. Erst ab dem 19. Jahrhundert entwickelte er sich zum Renner bei den modernen Damen der Städte, während die Frauen auf dem Land weiterhin Tücher oder Hauben trugen. Hut, Kappe oder Tuch - die Kopfbedeckung ist und bleibt ein wichtiger Teil jeder Mode und hat einen wunderbaren Vorteil mit den Schuhen gemeinsam: Ihre Hutgröße wird in jeder Lebensphase dieselbe sein.

Auswahl

Lassen Sie sich nicht einreden, Sie hätten kein Hutgesicht. Schließlich haben Sie auch Schuhfüße und einen Handtaschenkörper. Wie so oft müssen Sie auch hier nur den richtigen finden. Wer nicht ständig Hüte trägt und damit anfangen möchte, findet die beste Erstberatung bei einer ausgebildeten Hut- und Putzmacherin, einer Modistin. Hier erfahren Sie als ausgemachter Neuling Ihre genaue Hutgröße und werden ausführlich über die Modelle beraten, die am besten zu Ihrem Gesicht, Ihrem Kleidungsstil oder dem gegebenen Anlass passen. Wenn Sie sich lieber anonym und alleine in der Hutabteilung eines Kaufhauses an das Thema herantasten wollen, müssen Sie einige Grundregeln beachten.

Einen Hut trägt man in der Regel nach rechts

Auf der linken Seite ging früher der männliche Begleiter, dem Rest der Welt präsentierte man die rechte, geschützte Gesichtshälfte. Viele Damenhüte sind deshalb auch nach rechts gearbeitet und wirken unpassend, wenn man sie nach links trägt. Wenn Sie einen Hut probieren, den man schräg aufsetzt, probieren Sie es aus - der Unterschied ist verblüffend. Selbstverständlich können Sie sich einen Hut anfertigen lassen, der nach links gearbeitet ist, denn auch Ihre Hutmacherin lebt im 21. Jahrhundert.

Der Hut passt perfekt

Wie jedes andere Kleidungsstück muss auch der Hut immer passen. Vorsicht also bei Erbstücken und Flohmarktkäufen. Sobald ein Hut zu klein oder zu groß ist, wird er zur Verkleidung und wirkt clownesk. Achten Sie also darauf, dass der Hut nicht zu klein ist, einschneidet oder so hoch sitzt, dass er aussieht wie ein Scherzartikel. Auch wirkt ein Hut, der sitzt und außen etwas größer ist, automatisch lässiger. Ein zu großer Hut, der rutscht, kommt wie alle Kleidungsstücke, die man festhalten muss, ebenfalls nicht in Frage.

Der Hut kleidet Sie.

Finden Sie vor dem Spiegel den Hut zu Ihrem Typ. Spielen Sie mit der Tatsache, dass die Kopfbedeckung Ihre Silhouette nach Wunsch strecken oder verkürzen kann. Beachten Sie also Ihre Proportionen und die Kleidung, mit der Sie den Hut kombinieren wollen, und betrachten Sie sich in einem Ganzkörperspiegel. Spielen Sie dabei auch Variationen mit Ihrer Frisur durch.

Manche Hüte wirken erst, wenn das Haar hoch- oder weggesteckt wird und nicht mehr ablenkt, andere Hüte bilden eine Allianz mit dem Haar. Die perfekte Hutfrisur ist übrigens der Bob. Die Klarheit und Symmetrie dieses Haarschnitts harmoniert mit fast jedem Hutmodell.

Anlass und Etikette

Nicht nur für Königinnen, sondern für alle Frauen gilt, dass Sie ihren Hut bei allen Anlässen immer aufbehalten dürfen. Das ist von großem Vorteil, denn Sie müssen sich niemals Gedanken machen, wo Sie Ihren Hut später ablegen oder was mit Ihrer Frisur passiert, wenn Sie ihn abnehmen. Das gilt für Trauungen ebenso wie für Beerdigungen, Empfänge oder Pferderennen. Hochzeiten und Trauerfeiern sind nach wie vor Hutereignisse. Bei Trauerfeiern sorgt ein Schleier für die gewünschte Intimsphäre.

Bei einer Trauung beweist ein eleganter Hut den Respekt vor dem Anlass. Als Angehörige des Brautpaares haben Sie hier sogar das Recht mit einer sehr großen Kreation in den ersten Reihen zu sitzen, ohne Rücksicht auf die Zuschauer auf den hinteren Plätzen nehmen zu müssen. Für den Opern- oder Theaterbesuch sollten Sie zu einem anliegenden, kleinen Hut greifen, es sei denn Sie sitzen in einer Privatloge. Der Hutevent schlechthin ist das Royal-Ascot-Pferderennen. Nirgendwo wird der Kopfputz so thematisiert und gefeiert wie am dritten Tag, dem Ladies Day, an dem die Hüte - die hier übrigens obligatorisch sind - den Pferden die Show stehlen.

Das Rennen ist öffentlich, auch für Nicht-Adel und Nicht-Geldadel. Ein Tagesticket für die Haupttribüne kostet rund 120 Pfund, auf dem Schwarzmarkt aber mehr, denn der Ladies Day ist der wichtigste Renntag. Hier können Sie mit Ihrem Hut gar nicht genug auffallen.

Material, Wartung und Pflege

Ein Hut für den Winter entsteht in vielen Arbeitsschritten aus Haarfilz. Zum Thema Tierschutz erklärte uns die Hutdesignerin Fiona Bennett, dass sie darauf achtet, ausschließlich mit Filz aus den Fellen von Nutztieren zu arbeiten. Und das tun sehr viele Hutmacher, denn Haarfilz wird aus den Fellen von Stallhasen und -kaninchen hergestellt, die nicht zur Pelzzucht gehalten oder gar ausgerottet werden.

Achten Sie beim Kauf unbedingt darauf, dass die sonst so beliebte Wolle als Material für einen Hut ungeeignet ist. Der drei- bis viermal günstigere Wollfilz ist nicht wetter- und damit nicht formfest, und so würde sich Ihr Hut bei Regen verziehen. Klassische Sommerhüte werden aus dem Stroh der Toquilla-Palmen von Hand geflochten, für die preiswerten Versionen benutzt man Papier. Und natürlich können Sie sich die extravagentesten Kreationen aus fast jedem Material anfertigen lassen, denn Sie sind eine Frau.

Wenn Sie sich einen Qualitätshut geleistet haben, können Sie ihn ein Leben lang tragen. Seidenfutter und Ripsbänder kann der Hutmacher herausnehmen und reinigen oder auswechseln. Das Ripsband schützt vorMake-up- Flecken und saugt für lange Zeit den Schweiß auf. Irgendwann jedoch ist es voll und es entstehen unschöne Salzränder am Hut. Das Auswechseln von Futter und Band empfiehlt sich aus hygienischen Gründen also unbedingt, wenn Sie einen schönen alten Hut finden.

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