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Dresscode für Männer:Was bitte ist "casual"?

Lesezeit: 5 min

Gut angezogen oder total daneben gegriffen? Vor allem beim Thema "casual" sind Männer hoffnungslos überfordert. Wir schaffen Abhilfe - mit einem Styleguide zu den wichtigsten Fragen.

Katharina Höller

"Black tie" oder "white tie"?

Für Männer ist die Frage nach dem angemessenen Outfit eigentlich nicht so schwer zu beantworten: Ein Anzug ist ein Anzug ist ein Anzug. Einfache Ansagen wie "black tie" verraten meist schon, was darunter zu verstehen ist: Dieser Dresscode verlangt nach dem schwarzen Anzug, der schwarze Krawatte und dem weißen Hemd - ganz klar. Doch ganz so einfach ist es nicht immer. Die Anforderungen an die Arbeitsgarderobe halten knifflige Abstufungen bereit, bei deren Missachtung der Herr leicht ins Fettnäpfchen treten kann:

"Business Wear" ist etwas anderes als "Business Casual" ist etwas anderes als "Smart Casual". Der englische Begriff "casual" bedeutet so viel wie "locker und zwanglos". Klingt gut, ist aber nicht ganz so locker gemeint und sorgt damit für einige Verwirrung. Der Geschäftsmann unterscheidet zwischen dem klassischen Business Look, dem Smart Casual Look und dem Business Casual Look.

Doch was verbirgt sich hinter diesen klangvollen Anglizismen?

Was bitte ist "casual"?

Der klassische Business Look:

Grundsätzlich schreibt die klassische Uniform eines Geschäftsmannes heute dunkle Anzüge vor, die mit einfarbigem Hemd und Krawatte kombiniert werden. Je dunkler der Anzug, desto höher die berufliche Position des Trägers und desto offizieller der Anlass.

Smart Casual:

Dieser Begriff lässt Männern einen etwas breiteren Handlungsspielraum: Der dunkle Anzug ist hier nicht zwingend notwendig, eine schicke Kombination tut's auch. Der Verzicht auf Krawatte bietet eine weitere Erleichterung und sorgt für Luft zum Atmen. Konkret heißt das: Stoffhosen mit Bügelfalte sind erlaubt, sie dürfen sogar dezent farbig oder in sich gemustert sein, zum Beispiel aus Tweed, Cord oder mit Nadelstreifen. Dazu sieht ein einfarbiges oder im Stoff passendes Jackett gut aus. Bei manchen Unternehmen darf der Mitarbeiter sogar im Polohemd oder in Jeans aufzukreuzen. Dabei muss er aber grundsätzlich immer beachten: Eine Büro-Jeans ist dunkel, unauffällig in der Waschung und hat auf gar keinen Fall ausgefranste Stellen.

Business Casual:

Wer gerne zu Afterwork-Veranstaltungen geht oder schon öfter mal vom Chef zum Abendessen gebeten wurde, weiß Bescheid: In förmlichen Kreisen gilt bei einer derartigen Einladung häufig die Anweisung "Business Casual". Nicht erschrecken, denn damit kommt Ihnen der Gastgeber durchaus entgegen: Business Casual bedeutet einfach nur, dass es gestattet ist, die Bürokluft anzulassen. Also kein doppelter Weg nach Hause zum umziehen.

Was bitte ist "casual"?

Hält der Casual Friday, was er verspricht?

Eigentlich ist er eine Erfindung der Amerikaner: Schon in den fünfziger Jahren haben die Geschäftsleute dort beschlossen, dass sie am Freitag nicht im selben dunklen Anzug zur Arbeit gehen wollen. Am Ende der Woche sollte es etwas legerer zugehen und auch der persönliche Geschmack durfte mit einfließen. Das heißt heute konkret: Statt dem Anzug darf's eine Kombination sein aus Sakko und Stoffhose, auch eine Jeans in akkuratem Zustand ist in Ordnung. Eine gute Abwechslung zum dunklen Zwirn bieten auch Cord- oder Leinenanzüge. Letztere sind allerdings bei offiziellen Anlässen aufgrund ihrer Knittereigenschaften nicht angebracht!

Was bitte ist "casual"?

Sind Sneakers zu lässig für den Friday?

Ein bisschen Überlegen vor dem Griff in den Kleiderschrank beugt so mancher Blamage vor: Wer als Neuling im Unternehmen zunächst beobachtet, was die Kollegen freitags so tragen, wird entscheidende Vorteile haben. Der frisch gebackene Mitarbeiter kann jedoch davon ausgehen, dass Turnschuhe und sehr helle, womöglich kaputte Jeans selbst am Ende der Woche zu "casual" sind. Aber bei Turnschuhen gibt es feine Abstufungen: Modebewusste Männer würden durchaus am Freitag in schwarzen Lederchucks, einer dunklen Stoffhose und schwarzem Rollkragenpullover nicht negativ auffallen. Zu viel Mut und Experimentierfreude ohne das gewisse stilistische Fingerspitzengefühl kann aber auch nach hinten losgehen.

Welches Schuhwerk darf's denn nun sein?

Was jeder Mann im Schrank haben sollte, sind feine, schmal geschnittene Lederschuhe in schwarz und braun, wobei dunkelbraun dabei aus verschiedenen Gründen zu bevorzugen ist: Dunkelbraun passt zu allen Braun -und Beigetönen und im Notfall auch zu Grau und Dunkelblau. Rot- oder Hellbraun hingegen beißt sich mit Letzteren gewaltig.

Heutzutage ist auch die Auswahl an lässigem, sportlichem, dennoch aber schickem Schuhwerk groß genug. Angefangen bei den schon erwähnten Chucks in der "Deluxe-Leder-Variation", haben auch alle anderen Sportschuhmarken mittlerweile Sneakers, die so gar nicht danach aussehen: Zum Beispiel die schwarzen, knöchelhohen "canvas street mids" von Puma by Alexander McQueen. Die sehen zu einer Stoffhose mit Bügelfalte definitiv angezogen aus. Wichtig beim Wagnis Sneaker ist aber die Grundregel: Immer dunkle Farben und zurückhaltendes Design wählen!

Was bitte ist "casual"?

Was bedeutet einfach nur "Casual"?

Der Begriff heißt übersetzt locker, zwanglos, leger. Private Freizeitkleidung fällt daher natürlich in diese Kategorie, ist aber für manche Anlässe trotzdem zu lässig. Der volle Interpretationsspielraum des Wortes "casual" sollte bei einer Einladung zur Grillparty beim Chef deshalb nicht genutzt werden - auch nicht beim 70. Geburtstag der Schwiegermutter. Kurzum: Die ausgefranste Levi's 501 aus dem Jahr 1978 bleibt in jedem Fall zu Hause im Schrank. Auch Logo-Shirts, Sweatshirts und bunte Schuhe sind bei einer Einladung mit diesem Dresscode nicht angemessen. Nichts falsch machen hingegen Männer mit einem schönen Hemd, einer schlichten Jeans oder Stoffhose und einem einfarbigen - oder zurückhaltend gemusterten - Pullover.

Angemessene Kleidung hängt stets auch von der jeweiligen Situation, vom Gastgeber und den anderen Gästen ab. Deshalb überlegen und abschätzen: Wer lädt ein und wer wird kommen? Feiert Großmutter ihren Runden oder steht die Hochzeit eines Bekannten an? Gehen Sie zu einer Preisverleihung, einer Filmpremiere, einer besonderen Party? Versuchen Sie zuerst, sich vorzustellen, welche Stimmung beim jeweiligen Event herrschen könnte: angespannt und bemüht oder eher ausgelassen und familiär? Wie könnten die anderen Gäste einen dehnbaren Dresscode-Begriff interpretieren? Kleiderordnungen sind nicht nur dazu da, die Eingeladenen im Vorfeld zu triezen. Das sich ergebende Bild der Gäste soll schließlich der Veranstaltung eine bestimmte Atmosphäre verleihen.

Was bitte ist "casual"?

Fauxpas, die leicht zu vermeiden sind:

Absolute "Dont's" sind Tennissocken, bunt gemusterte Strümpfe, Hochwasserhosen und aufdringlich gemusterte Krawatten. Die ideale Sockenfarbe ist schwarz, beziehungsweise immer eine Nuance dunkler als der Rest des Outfits. Auch sollte Mann die "Gürtel-Schuh-Regel" beachten: Die beiden Leder-Komponenten sind farblich aufeinander abgestimmt - also niemals schwarzer Gürtel zu braunen Schuhen und umgekehrt. Zu dunkelblauen Anzügen beziehungsweise Kombinationen sollte weiterhin helles Braun und Rotbraun vermieden werden - Dunkelbraun und Schwarz passen besser!

Was bitte ist "casual"?

Wie setzt der Mann modische Akzente?

Stilistisches Fingerspitzengefühl zu beweisen, ist eigentlich gar nicht so schwer. Die Grundregeln beim Kauf eines Anzugs einzuhalten, ist der erste Schritt auf diesem Weg: Immer darauf achten, dass die Schultern flach anliegen und leicht gepolstert sind. Das Revers des Sakkos ist klassischer Weise acht Zentimeter breit und liegt an der Brust an. Selbstverständlich ist, dass alle Knöpfe des Sakkos problemlos zugehen und die Hose dazu weder hängt noch kneift. Ihre Bügelfalte sollte gerade fallen und der Hosensaum auf dem Schuh vorne leicht aufliegen - hinten schließt er mit dem Schuhabsatz ab.

Der modische Kniff kommt durch die Farbwahl hinzu: Spielereien mit der eigenen Haar- und Augenfarbe sind besonders effektiv, um den Typ zu unterstreichen. Wunderbar funktionieren blaue Augen zusammen mit Hemden in Blautönen. Einen ähnlichen Akzent setzt eine blaue Krawatte. Anzüge oder Kombinationen in Brauntönen betonen vorteilhaft grüne oder braune Augen. Ergänzen kann man sie hervorragend mit einem Hemd in dunklem Olivgrün. Riskieren Sie deshalb einen genauen Blick in den Spiegel, dann wird die Garderobe bestimmt nicht langweilig, sondern typgerecht.

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