Die Wahrheit über Lohas Egoistische Konsumguerilla

Altersmäßig kann man die Lohasianer, so werden sie in der Wissenschaft genannt, in zwei Gruppen unterteilen: Die über 60-Jährigen, mit einer mittleren bis höheren Schulbildung und einer durchschnittlichen Kaufkraft und die jüngeren "Community-Lohas", mit einer höheren Schulbildung und überdurchschnittlichen Kaufkraft. Sie organisieren sich in Internet-Portalen wie Karmakonsum.de und dem dazugehörigen Blogg Konsumguerilla, auf lohas.de oder Utopia.de. Hier führen Konsumenten und Unternehmer einen regen Diskurs.

Bio aus purem Egoismus? Sie kaufen saisonales Obst und Bio-Gemüse aus der Region. Doch nicht aus edlen Motiven, sondern schlicht, weil es besser schmeckt, behauptet die Studie.

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Nur wer die Ziele der Lohasianer kennt, gewinnt auch ihre Gunst. Doch wehe dem, der hier den unmittelbaren Vergleich zu den birkenstocktragenden Körnerfressern und "Atomkraft. Nein, Danke!"-Gegnern der achtziger Jahre zieht. Obwohl sich die neuen Ökos den "Nachhaltigkeits"-Begriff aus der Forstwirtschaft abgeguckt haben - dort bedeutet er Bäume zu fällen und ebenso viele aufzuforsten, damit das ökologische Gleichgewicht gehalten wird - handelt es sich doch um moderne und weitverbreitete Lebensentwürfe. Der Soziologe Thomas Perry vom Heidelberger Marktforschungsinstitut Sinus Sociovision, beschreibt den Unterschied zu früher so: "Die Lohas haben das Asketische hinter sich gelassen und verknüpfen Nachhaltigkeit mit einem hedonistischen Element."

Heuchlerische Lohas

Der Hedonismus ist es dann auch, worauf sich die &EQUITY-Studie stürzt. "Lohas sind wie Pharisäer und den Pharisäer an sich mag man nicht", sagt Dr. Cordula Krüger, Geschäftsführerin des Büros und Leiterin der Studie. Harte Worte für eine augenscheinlich friedvolle und harmoniebedürftige Bewegung. "Sie bringen keine Opfer", kritisiert sie. Ein bisschen Mülltrennung, ein paar Einkäufe im Bio-Supermarkt - das täten andere schließlich auch.

Der Lohas-Anhänger gebe zwar an, Eier nur von glücklichen Hühnern kaufen zu wollen, nach Möglichkeit mit der Bahn zu fahren und Öko-Strom zu beziehen, doch wie so oft sei der Geist willig und das Fleisch schwach. Der Vorsatz sei zwar löblich, doch es nütze nicht viel, wenn nichts davon umgesetzt werde. "Die Zielgruppe tut nur Sachen, von denen sie als Individuum einen persönlichen Nutzen hat". Bio-Tomaten schmeckten einfach besser als genmanipulierte und Erdgas als Autoantrieb sei wesentlich günstiger als Benzin.

Krüger stützt sich auf die Berichte, Testergebnisse und Erfahrungswerte von rund 250 Probanden. "Das ist nicht repräsentativ, deshalb sehe ich die Studie eher kritisch", sagt Christoph Harrach, Gründer von Karmakonsum.de. Täglich greifen rund 1000 Leute auf seine Seite zu. Nach dem Motto "Do good with your money", berichten Harrach und sein Partner Noel Klein-Reesink über Neuigkeiten in der Öko-Szene. Die T-Shirt-Kampagne "Care or die" des Berliner Labels Ecofashionjunkies findet hier ebenso Platz wie die neuen Solarplatten auf dem Dach der Audienzhalle im Vatikan, die Papst Benedikt XVI. eingeweiht hat.

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