Die Unverwechselbaren: Jacqueline Kennedy Ein Hut geht rund um die Welt

Ob Pillbox-Hut oder riesige Sonnenbrille: Was sich Stilikone Jackie O. auf den Kopf setzte, wurde ein Klassiker der Modegeschichte.

Von Nina Jauker

Sie hasste ihren Spitznamen. Jacqueline Bouvier, gebildet, frankophil und stilbewusst, bevorzugte die französische Aussprache ihres Vornamens. Doch der "Nickname" musste sein: Im Wahlkampf tourten sie und ihr junger Ehemann, der ehrgeizige Präsidentschaftskandidat John F. Kennedy, unter dem Motto "Jack und Jackie" durch die USA - und siegten gegen Richard und Patricia Nixon. Damit zog Jackie Kennedy in die Klatschspalten und Hochglanzmagazine ein. Bis zu ihrem Tod sollte sie von Paparazzi verfolgt werden.

Dallas, 22. November 1963: Dieses Foto geht um die Welt und mit ihm der Pillbox-Hut.

(Foto: Foto: AP)

Rüstzeug für die ideale Politikergattin

Die neue First Lady der USA war in aller Munde: Verglichen mit der hausbackenen Mamie Eisenhower war die junge Ostküstenschönheit eine Sensation. Im Etui-Kleid, mit kurzem Chanel-Mantel, Handschuhen und Perlenkette wurde sie zur Modeikone. Aus der Phase, in der Jacqueline Bouvier Kennedy der Welt zeigte, wie die ideale Politikergattin zu sein hatte, bleibt vor allem eines im Gedächtnis: der Pillbox-Hut.

Jackie besaß die kleinen, runden Hüte in allen Farben. An das schreiende Pink für den Besuch in Dallas erinnern sich Millionen Menschen. Wenig später trug sie Schwarz auf dem Heldenfriedhof in Arlington.

Der kleine runde Hut war ihr Markenzeichen: Adrett - um jeden Preis. Die Pillboxes hafteten nur mit Hilfe von Gummibändern, Nadeln und Haarspray fest auf der toupierten Frisur.

Eine Amerikanerin in Paris

Ein ebenso unfassbar perfektes Bild bot auch die junge Präsidentengattin selbst. Den Höhepunkt der Jackie-Hysterie markiert der Staatsbesuch in Paris im Jahr 1961. Millionen französischer Herzen lagen der US-Präsidentengattin zu Füßen, als sie - ein wortloses Kompliment an das Mutterland aller Couturiers - in Chanel im Élysée-Palast erschien. Legendär ist auch John F. Kennedys Reaktion auf die überwältigende Begeisterung für seine Frau. Während eines Galadiners stellt er sich mit den Worten vor: "Ich bin der Mann, der Jacqueline Kennedy nach Paris begleitet hat" - und erntet ungestümen Beifall.

Doch Dutzende Biographien decken auf, dass das Leben in "Camelot" keineswegs so sauber und glamourös war, wie die prachtvollen Empfänge und niedlichen Familienfotos suggerieren. JFK leidet an der lebensbedrohenden Addison-Krankheit - die vor allem vor der Öffentlichkeit verheimlicht werden musste. Jackie hat Fehlgeburten - und einen notorisch untreuen Ehemann. Hinter den Kulissen ist eisenharte Disziplin gefordert. Die Gerüchte um Magersucht und Tablettenmissbrauch trüben bis heute den Mythos von der Makellosigkeit der Kennedy-Jahre.

Ende der Unschuld, Ende der Pillbox

Die patente Pillbox verschwand denn auch bald nach dem Attentat von Dallas aus dem Straßenbild. Der jugendliche Elan und die Unschuld der Kennedy-Jahre entpuppten sich als unhaltbar. Die steifen Kostüme kamen aus der Mode, der sportliche Look der späten Sixties hielt Einzug.

Und auch Jacqueline Bouvier Kennedy wollte mit 39 Jahren nicht die Heldenwitwe des beliebtesten US-Präsidenten bleiben, sondern heiratete den 23 Jahre älteren griechischen Milliardär Aristoteles Onassis, trug plötzlich Haarbänder, lief barfuß und fuhr Fahrrad.

Carla mit Pillbox

Die Heirat mit dem Tankerkönig brachte ihr den unversöhnlichen Hass einer ganzen Generation Amerikaner ein. Vom unschuldigen Liebling der Nation wurde sie zur berüchtigten "Jackie O.", von der sich die Paparazzi bis heute erzählen, sie habe gelächelt, als Ari Onassis schließlich starb. Schon während der Onassis-Jahre war Jackie mehr aus Zwang auf ein anderes Accessoire umgestiegen: Die riesige Sonnenbrille wurde ihr neues Markenzeichen und verbarg sie vor den allgegenwärtigen Paparazzi.

Die Pillbox und die brave Mrs. Kennedy schienen Vergangenheit - bis eine französische Politikergattin sie dem Vergessen entriss. 47 Jahre nach Jackies legendärem Besuch in Paris entstieg Frankreichs frisch gekürte First Lady Carla Bruni-Sarkozy beim Staatsbesuch in London dem Flugzeug. Sie trug Kostüm, einen grauen Mantel, und - Hommage an die Stilikone Jackie Kennedy - auf dem Kopf eine graue Pillbox.

Von der Pillbox zur Sonnenbrille

mehr...